Die Deutsche Olympische Gesellschaft tagte in Karlsruhe und feierte den 10. Jahrestag ihres Bestehens. Heute trügt ihr Name. Die ursprüngliche Absicht, den olympischen Gedanken zu fördern, ist zur Nebenaufgabe geworden. Der Vorsitzende und Initiator Georg von Opel, ein sportbegeisterter Nachkomme des einstigen Rüsselsheimer Automobilkönigs, identifiziert jetzt seine Gesellschaft weitgehend mit dem sogenannten „Goldenen Plan“. Dieser enthält Sollziffern der Ausgaben für Leibesübungen von Bund, Ländern und Gemeinden, insgesamt 425 Millionen pro Jahr.

Der Übungsstättenbau steht dabei naturgemäß im Mittelpunkt. In Karlsruhe wurden von der Gesellschaft so etwas wie Zensuren verteilt. Der Bund bekam die Note „mangelhaft“; er erreichte mit 20 Millionen, die jetzt erhöht wurden, nur 24 vH des Solls, die Länder und Gemeinden mit 60 bzw. 70 vH wurden wohlwollend beurteilt. Und so war auch aus Bonn keiner der prominenten Sprecher erschienen; dagegen konnte Ministerpräsident Kiesinger für das gastgebende Land Württemberg-Baden verkünden, daß es für 1962 22 Millionen DM veranschlagt habe und somit an den Leistungssoll des Goldenen Plans bis auf 172 Millionen herankomme. Kiesinger, der den „homo ludens“ von Hecuzinga beschwor, warnte allerdings davor, nicht nur im Sinne des perfekten Wohlfahrtsstaates an die öffentliche Hand zu appellieren, was ja ein „leichtes Gerüchlein“ habe, sondern – wie in den USA – auch den „freudigen Bürgersinn“ zu mobilisieren.

Oberbürgermeister Bockelmann, wie sein Amtsvorgänger Kolb Vorsitzender des Deutschen Turnerbundes, betonte die Rolle des Erholungs-Spiels und Sportstättenbaues („der Sportplatz um die Ecke“) bei der heutigen Stadtplanung, die oft nur noch Verkehrsplanung sei. Auch die kleinen Gemeinden waren durch Referenten vertreten. Hier wurde – wie beim Schulhausbau – die „Mittelpunktanlage“, die gleichzeitig von den Einwohnern mehrerer Gemeinden benutzt werden kann, empfohlen.

Dieses Zusammenwirken einer Gesellschaft von Bürgern mit der öffentlichen Hand zum Wohle der Volksgesundheit ist nur zu loben. A. M.