–l, Hamburg

Der Tankwart im blauen Overall lächelte milde – wie einst mein Mathematiklehrer. Zwar war er, ein rundlicher freundlicher Gesell, dessen blaßblaue Äuglein Mühe hatten über die Pausbacken wegzusehen, der dickgeratene Kontrapunkt zu der Asketengestalt des Oberstudienrats, aber auch sein Gesicht drückte aus, was ich schon in der Algebrastunde erfahren hatte: Manche Menschen sind mangelhaft.

Zuckelnd und ruckelnd war ich an der Tankstelle vorgefahren; aber weiter ging’s nicht. Ach, wie beneide ich jene Autokenner, die wie ein Klavierstimmer spielerisch ein wenig Gas und Kupplung anschlagen und sogleich erkennen: Die linke hintere Zündkerze ist verrußt. Ich gehöre nicht zu ihnen, und so trug ich es gefaßt, daß mich der Tankwart – immer noch dieses Lächeln im Gesicht – fragte: „Haben Sie noch Benzin?“ Obgleich ich ehrenwörtlich versicherte, da könne der Fehler nicht liegen, leuchtete er mit der Taschenlampe in den Tank: Dreiviertel voll.

Der Mann im blauen Overall versuchte zu starten. Den Kopf leicht zur Seite geneigt vernahm er, wie der Motor kurz aufbrummte, noch dreimal blupp, blupp machte und fortan schwieg. Der Man sagte nur ein einziges Wort: „Zündung.“ Stieg aus, klappte die Motorhaube hoch, hantierte flink mit Schraubenzieher und Schlüssel, wischte sich die Hände ab: „Nun wird’s gehen!“ Der Motor brummte ruhig und gleichmäßig. Zwei Markstücke verschwanden geläufig in der Tasche des Tankwarts.

Ich fuhr bis zur übernächsten Kreuzung. Den Rest Weges bis zu einer Tankstelle schob ich den Wagen. Der Tankwart im gestreiften Overall lächelte nicht. Er gehörte nicht zu jenen unangenehmen Wer’n-wir-gleich-haben-Typen, er war von der gründlichen Sorte. „Zündung nachgesehen, vier Zündkerzen gewechselt, Vergaser gereinigt, Keilriemen nachgestellt – macht mit Arbeitslohn 17,30 DM.“ Soll er haben und noch ein Trinkgeld dazu! Gute, fachmännische Arbeit ist ihres Lohnes wert.

Als der Wagen zum drittenmal stehenblieb, war keine Tankstelle in der Nähe, Ein junger Mann half mir ihn an die Seite schieben. „Kann ich mal den Motor ansehen?“ fragte er. „Von mir aus.“ – Sehr höflich klang meine Antwort nicht, aber da hatte er schon die Motorhaube hochgeklappt, und während ich ihm mein Sprüchlein erzählte – Zündung nachgesehen, Zündkerzen gewechselt, Vergaser gereinigt und so weiter – fingerte er ein wenig an Kabeln und Schrauben herum.

„Starten Sie mal!“ Ich tat’s – der Wagen lief.