Von Günter Blöcker

André Malraux hat an Montherlant die seltene Vereinigung von Ironie und königlichem Stil gerühmt. Ironie – das ist das Element der Freiheit. Stil gibt dieser Freiheit das Gesetz, ohne das sie pure Liederlichkeit bliebe. Für Geister vom Schlage Montherlants ist Stil nicht etwas Ästhetisches oder gar Technisches, sondern gleichbedeutend mit Haltung. Er wird zum sittlichen Rigorosum. All diese jämmerlichen Begriffe, auf die wir stolz sind, ohne zu bemerken, daß wir uns damit selber ohrfeigen: die gewandte Feder, die flüssige Schreibe, der omnipotente Plauderstil, diese Zeichen des Schwätzertums und der Würdelosigkeit, werden an einer Figur wie Montherlant zuschanden. Er ist ein Autor, der das bewirkt, was uns, den Angehörigen eines Säkulums der schäumenden Druckerschwärze, am meisten not tut: er zwingt uns zum Erröten.

Montherlant liebt die hochfahrenden Verkleidungen. Der Seidenmantel des Kardinals und der des Stierkämpfers gelten ihm gleich. Beide dienen ihm dazu, seinen Abscheu vor der Zeit sowohl zu verhüllen als auch durch Verhüllung erst recht sichtbar zu machen. „Mein täglich Brot ist der Ekel“, heißt es in dem Drama „Der Ordensmeister“, „Gott hat mir im Übermaß die Kraft zum Ekel verliehen. Doch ihr, die ihr voller Gleichgültigkeit oder Nachsicht gegen das Gemeine seid, ihr verbündet euch mit ihm, ihr macht euch zu Mitschuldigen! Allzu irdische Menschen! Allzu irdische Ritter!“ Viele der erzählerischen und dramatischen Arbeiten Montherlants sind solche Verkleidungen, die das Wesen offenbaren. Der Anachronismus, sonst eher unverbindliches Spielelement, wird hier zum Ausdruck einer stolzen, leidenden Seele.

Das Besondere nun der hier anzuzeigenden Blätter

Henry de Montherlant: „Tagebücher 1930 bis 1944“, deutsch von Karl August Horst; Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 361 S., 17,50 DM liegt darin, daß sich der Autor auf ihnen so direkt gibt, wie es seiner auf Distanz und Stilisierung gerichteten Natur irgend möglich ist. Tagebücher werden aus den verschiedensten Gründen geschrieben. Die Möglichkeiten reichen vom bloßen Er-

Chlodwig Poth:

Aller Voraussicht nach ...