Martin Beheim-Schwarzbach: „Ein unbekanntes Meisterwerk“, ZEIT Nr. 43 und Leserbrief Nr. 44

Bücher ziehen, wenn sie Glück haben, freundliche Rezensionen nach sich, Rezensionen, wenn sie Pech haben, kritische Leserbriefe und Leserbriefe, schließlich wieder Leserbriefe ... Leskov und kein Ende, In Nr. 44 brachten Sie eine Leserzuschrift zu der Leskov-Rezension Martin Beheim-Schwarzbachs, in der sich ein Leser mit Recht wundert, daß der Rezensent den kleinen Roman Leskovs als bis dato unbekannt vorstellte. Nun könnte es mit dem Hinweis des Herrn Hebenstreit auf eine frühere deutsche Ausgabe der wundersamen Geschichte sein Bewenden haben. Aber Büchernarren kennen keinen Halt, wenn sich die Gelegenheit bietet, ihr Steckenpferd zu besteigen. Ihr Leser scheint der Ansicht zu sein, daß besagte Geschichte zwar schon früher, aber immerhin erst nach dem letzten Krieg in deutscher Übersetzung erschienen ist. Aber dem ist nicht so.

Ich besitze den „Verzauberten Wanderer“ in der hübschen Halbleinen-Ausgabe, die der Georg-Müller-Verlag in München 1927 in seiner billigen Buchreihe (übersetzt aus dem Russischen von Bruno Prochaska) herausbrachte. Die genannte Reihe des Müller-Verlags jedenfalls, in der noch mancher andere russische Titel erschien, erfreute sich in den zwanziger Jahren einiger Beliebtheit. Heute tauchen diese Bändchen häufig im Antiquariat auf. „Der verzauberte Wonderer/Pilger“ wird außerdem fast in jedem einschlägigen deutschen Nachschlagewerk erwähnt – und gepriesen.

Peter Amelung, Stuttgart

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Ich erlaube mir, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß von dem besprochenen Buch des Russen Nikolai Ljeskow (in dieser Schreibweise) auch noch eine Ausgabe im Marion von Schröder Verlag, Hamburg, erschienen ist, und zwar unter dem Titel „Der verzauberte Wanderer“ im Jahre 1957. Der Übersetzer ist Otto von Taube, das Buch ist mit guten Zeichnungen ausgestattet und enthält im Anhang recht aufschlußreiche Bemerkungen zu der Erzählung. Richard Witte Kopenhagen

Marion Gräfin Dönhoff: „Das Maß ist voll“, ZEIT Nr. 45

Was ist das für ein unwürdiges Schauspiel! Da sollen Staatsminister ernannt werden nur, damit die Machtansprüche der Parteien nicht zu kurz kommen. Geht es um den Ehrgeiz und die Pension der Politiker? Oder steht nicht das Wohl der Bundesrepublik, ja des Westens auf dem Spiel? Jene Herren in Bonn benehmen sich so, als ob in einer belagerten Festung der Feind mit schweren Waffen angreift, in der man aber kaum an Verteidigung denkt, vielmehr sich darüber streitet, wieviel Streifen jemand auf Ärmel und Schulterstücken bekommen soll. Es wirkt wohltuend, wenn wenigstens einer, Herr von Brentano, Charakter zeigt und sich jenem schändlichen Spiel durch Rücktritt entzieht. Es wird Zeit, allerhöchste Zeit, daß man sich in Bonn darauf besinnt, daß auch in der Politik endlich so etwas wie Fairneß, sauberes Denken und Achtung vor dem Gegner einzieht im Hinblick auf das von allen Parteien anzustrebende Ziel: das Beste aus unserer alles andere als rosigen Lage zu machen. Wilhelm Schulzke, Köln-Marienburg