"Herzklopfen" (Frankreich; Verleih: Bavaria): Wie bei seinem ersten Spielfilm "L’eau à la bouche" ("Die Katze läßt das Mausen nicht"), hat "Cahiers du Cinema"-Redakteur Jacques Doniol-Valcroze auch bei seinem zweiten das Drehbuch verfaßt und Regie geführt; und wie im ersten stimmt er auch im zweiten ein Hoheslied auf die große Liebe an. Sein Held hat freilich eine reichlich perfide Intrige einzufädeln, ehe er die Schöne überzeugt hat, daß nicht der verheiratete exotische Galan vom letzten Sommer, sondern er, ein schlichter unverheirateter Europäer, der Richtige sei; In der Art der Intrige wie der emanzipierten Reaktion des Mädchens darauf reflektiert Doniol-Valcroze durchaus treffend Verhaltensweisen im aktuellen Kampf der Geschlechter. Er nimmt leider trotz geistreicher Dialoge seiner Argumentation viel von ihrer Sinnfälligkeit und Überzeugungskraft dadurch, daß er seine Geschichte im so arg strapazierten Milieu erfolgreicher Künstler und schicker Sportwagen ansiedelt.

"Schatten" (USA; Verleih: Europa): Dieser Film ist aus einer Reihe improvisierter Szenen hervorgegangen, die der junge Regisseur John Cassavetes mit Schauspielschülern vom Variety Arts Studio in New York erarbeitet hatte. Sie sollten dazu dienen, das Ausdrucksvermögen der nach der weiterentwickelten Stanislawski-Methode geschulten Akteure zu schärfen. Man filmte ohne Drehbuch und geschriebenen Dialog, gestützt lediglich auf (von Cassavetes fixierte) Grundsituationen um drei Geschwister aus einer Mischehe. Das hellhäutige Mischlingsmädchen gibt sich einem Weißen hin. Als dieser dahinterkommt, daß einer ihrer Brüder wie ein reinrassiger Neger aussieht, erleiden seine Gefühle für das Mädchen einen jähen Rückschlag. Dieser Bruder ist Sänger, muß aber in drittklassigen Nachtlokalen den Ansager für tanzende Girls machen. Der andere Bruder, hellhäutig wie seine Schwester, sagt von sich, er sei Jazztrompeter, streunt aber nur Tage und Nächte, innerlich einsam, durch Bars und Prostituiertenlokale. Der Zuschauer wird sich in den losen, freiheitstrunkenen Duktus des Films erst einfühlen müssen, der wie ein wilder Protest gegen das sterile Filmdrehen in Hollywood wirkt. Nicht nur wird die kongeniale Filmmusik von hervorragenden Jazzmusikern unter Leitung des Avantgardisten Charlie Mingus gespielt, das künstlerische Prinzip des Films selbst ist dem Jazz entlehnt: "Shadows" ist gleichsam eine Jam-Session für Kamera, Darsteller und die Straßen von New York. Wann haben wir schon einen so ehrlichen, kraftvollen Film über die Malaise amerikanischer Großstadtjugend zu sehen bekommen? (Übrigens ist der Film schauerlich synchronisiert.) ktl