Ein wenig verhalten waren die Töne, die der Chef des Ruhrkohlehauses, Generaldirektor Kurt Haver, anschlug, als er am Freitag vergangener Woche in einer Pressekonferenz über eine bevorstehende Preiserhöhung für zwei Kohlesorten berichtete. Die Ruhrkohlenverkaufsgesellschaften haben sich entschlossen, ihre Preise für Anthrazitnüsse III und IV jeweils pro Tonne von bisher 111,50 DM auf 127 DM und von 80,50 DM auf 92,50 DM heraufzusetzen. Sie haben damit, wie im Essener Ruhrkohlehaus besonders betont wird, diese beiden begehrten Kohlensorten an das Preisniveau der deutschen Wettbewerbsreviere herangeführt, bleiben jedoch immer noch leicht unter den Preisen der Konkurrenz.

Es lassen sich mehrere Argumente für diese Preiskorrektur, "die ja nur auf den ersten Blick so gar nicht in die Kohlelandschaft passen wollen", anführen. Das Wichtigste liefert zweifellos der Markt selbst: an den Absatzschwierigkeiten des Bergbaus haben die Anthrazitzechen nie teilgenommen; Anthrazit ist immer knapp und begehrt geblieben. Der Ruhrbergbau nutzt also mit diesem Schritt die Chancen, die der Markt ihm bietet.

Dennoch wartet man in Essen gespannt und ein wenig zu ängstlich, "so scheint uns", auf die Reaktion in Bonn. Selbstverständlich kann es sich die Ruhr nicht leisten, den gegenwärtig offenbar gut geölten Draht zur Bundeshauptstadt wieder einrosten zu lassen. Aber das kann diesmal gar nicht auf dem Spiele stehen. Nur ist es bezeichnend, mit wie wenig Selbstsicherheit ein tatsächlich marktkonformes Verhalten in Essen vertreten wird.

Da gibt es wortreiche Erklärungen, in denen darauf hingewiesen wird, daß von der Preiserhöhung nur 0,5 vH der Ruhrförderung betroffen sind; von der gesamten Anthrazitmenge, die bei den Ruhrzechen zutage gebracht wird, sind etwa 500 000 t ab 1. Dezember teurer. Die Ruhrkohlenverkaufsgesellschaften erwarten auf Grund dieser Maßnahme einen Mehrerlös von rund 7 Mill. DM bei einem Umsatz von 4 Mrd.

Das ist alles nicht von der Hand zu weisen, würde aber doch gar nicht ins Gewicht fallen, wenn nicht der Markt die neuen Preise annehmen würde. Warum soviel Beiwerk, wenn bereits ein Argument, "und zwar allein das, auf das es ankommt", durchschlägt! Nmn.