Sollten wir tatsächlich in drei Jahren den politischen Waffengang Kennedy contra Rockefeller erleben, so wird es ein faszinierendes Schauspiel werden. Denn die beiden sind sich – Partei hin, Partei her – in allem so verblüffend ähnlich, daß die nächste Präsidentschaftskampagne leicht so etwas wie ein Bruderkrieg werden mag.

Rockefeller, rund ein Jahrzehnt älter als Kennedy, kühl und klug wie dieser, in der Außenpolitik im wesentlichen von ähnlichen Beurteilungen ausgehend, in der Innenpolitik – Liberaler, der er ist – auch gleichsam auf einem Nachbargleis, dem Rat eines akademischen Beraterstabes mehr vertrauend als der Fanfare der Emotionen – er wird es nicht ganz leicht haben, dem amerikanischen Volk glaubhaft zu machen, ein Wechsel von "Boston" nach "New York" werde auch einen großen Wandel in der Politik mit sich bringen.

Wo es aber auf einen Wandel ankommt, da ist Barry Goldwater der Mann, der sich den Amerikanern schon heute als Steuermann auf radikalerem Kurs zuverlässig empfehlen kann. Der 52 jährige Senator, groß und schlank, mit einem überaus photogenen, energischen, dabei sympathischen Gesicht, gilt als so etwas wie ein Wunderknabe der amerikanischen Politik. Noch vor ein, zwei Jahren gab es außerhalb Washingtons und seines eigenen Staates – Arizona – kaum jemanden, der auch nur den Namen Goldwater kannte. Heute ist er unbestritten derjenige Politiker, der nach Kennedy die meiste Publicity erhält.

Goldwater scheint überall zugleich zu sein. Er ist als Redner begehrt wie nur einer und ist selbst jenen Bürgern, die ihn bisher weder in Person noch auf dem Fernsehschirm gesehen haben (was schlechterdings unmöglich erscheint) mindestens als Autor des politischen Bestsellers "Das Gewissen eines Konservativen" bekannt. Mit seinen Parolen vom neuen, harten, soliden amerikanischen Konservatismus findet Goldwater Widerhall in allen Teilen des Landes, besonders aber bei der akademischen Jugend – er kann sich kaum retten vor immer neuen Einladungen in Universitäten und Colleges.

Der ehemalige Brigadegeneral, der sich auch heute noch ganz gern in die Kanzel eines Düsenjägers setzt ("zur Entspannung"), verficht seine Thesen mit Verve und Überzeugungskraft. Die Amerikaner, so fordert er, müßten wieder wirkliche Patrioten werden, Mut in Krisen zeigen und zu den alten Prinzipien zurückkehren, "die diese Nation groß gemacht haben". Ohne Frage sind dies schöne, balsamreiche Worte für ein Volk, das sich so schwer dareinfindet, mit Enttäuschungen zu leben.

Zur augenblicklichen Situation weiß Goldwater, der Advokat bedingungsloser Härte, dies zu sagen: "Wenn wir wieder an den Konferenztisch gehen, wenn wir über Berlin verhandeln und den unersättlichen Kommunisten neue Konzessionen machen, können wir vielleicht den Ausbruch eines bewaffneten Konflikts hinausschieben, aber wir werden in der Welt damit bestimmt nicht viel Respekt gewinnen"

Ginge es nach dem Senator, so sollte Washington unverzüglich die diplomatische Anerkennung aller kommunistischen Staaten (einschließlich der Sowjetunion) rückgängig machen. Es sollte sich weiterhin auf "militärische Aktionen gegen verwundbare kommunistische Regime" vorbereiten und es sollte vor allem keinem Staat der Welt auch nur einen Dollar an Hilfe zukommen lassen, der sich nicht ausdrücklich auf die Seite der Vereinigten Staaten gestellt hat.