–u–, Hamburg

Ich vermute Salmonella, die Margarinekrankheit", sagte der Arzt zu dem jungen Mann. "Sie müssen sofort ins Krankenhaus." Aber jedesmal, wenn Dr. B. einen Patienten in ein Hamburger Krankenhaus einweist, regt sich der Ärger in ihm. Er weiß, daß nun ein aufreibender Kampf beginnt – der Kampf um ein Krankenhausbett. Tricks und Kniffe und "Beziehungen" sind oftmals nötig, um einen Schwerkranken in einer Klinik unterzubringen, und manchmal kommt dann nach stundenlangem Warten die Hilfe zu spät.

Dies ist Dr. B.s Bericht über den salmonellaverdächtigen jungen Mann: Um 12 Uhr Anruf beim "Bettennachweis" und Bestellung des Krankenwagens. 14 Uhr 30: Der Krankenwagen erscheint. "Wir nehmen Sie mit, aber es ist kein Bett frei!" Vor dem Eingang der Klinik läßt man den hochfiebrigen Patienten eine Stunde lang im kalten Auto warten, während drinnen telephoniert wird. Schließlich holt man ihn hinein – weil der Wagen gebraucht wird.

Bei der Untersuchung bleibt der Verdacht bestehen, daß Salmonella vorliegt. Aber der Patient wartet weiter. Es wird Abend, da verkündet die Schwester das Ergebnis der telephonischen Bemühungen: "Nichts zu machen; in ganz Hamburg ist kein Krankenbett mehr frei! Sie müssen umkehren!" – Der Mann vom Gesundheitsamt, der am nächsten Tag die Wohnung desinfizieren wollte, wunderte sich sehr, daß der ansteckende Kranke noch da war...

Dieser Patient genas; seine Krankheit war nicht so ernst, wie die Ärzte geglaubt hatten. Aber am Tage zuvor war ein Siebenjähriger gestorben, den der Arzt mit Gehirnerschütterung in eine Klinik schickte; man hatte den Schwerverletzten an ein anderes Krankenhaus verwiesen, weil kein Kinderbett frei war...