r. g., Stuttgart

Gestatten: ich bin der von Ihnen vor kurzem zitierte Dauerparker. Ja, es stimmt alles: ich stelle mein Auto am Morgen ab, nachdem ich suchend einige Runden gedreht habe, und gebe den Platz erst wieder frei, wenn ich nach achtstündiger Arbeit nach Hause fahre. Auf Ihre Ausführungen in den Gemeinderatssitzungen, in denen Sie meinesgleichen die Liquidierung angedroht haben, falls wir nicht das Feld der Innenstadt freiwillig räumten, gestehe ich gern ein, daß ich wissentlich und vorsätzlich öffentlichen Verkehrsraum usurpiert habe und dabei auch die Ellenbogen gebraucht habe. Aber was will man machen, wenn einem der Platz durch Behörden und Ministerien eingeengt wird, die kurzerhand Abschrankungen oder Schilder anbringen lassen: "Nur für Behördenfahrzeuge."

Doch ich will nicht polemisieren, sondern vielmehr auf Ihr freundliches Angebot zurückkommen. Sie haben meinen Leidensgenossen und mir vorgeschlagen, wir möchten das Auto außerhalb des Stadtkerns abstellen und in öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Nach eingehender Prüfung bin ich jedoch zu dem Ergebnis gelangt, daß Ihr Angebot auf Fiktionen beruht. Wenn ich außerhalb des Stadtkerns parken soll, dann muß mir dort wenigstens die Suche erspart bleiben. Wenn ich aber schon suchen muß, dann lieber an Ort und Stelle in der Innenstadt. Ich erlaube mir die Anfrage: Wo ist der Parkgürtel rund um die Innenstadt, von dem man ohne größeren Zeitverlust in öffentliche Verkehrsmittel umsteigen kann?

Und, mit schuldiger Höflichkeit sei gefragt: Wie sehen Ihre Verkehrsmittel eigentlich aus? Sie haben eine, zugegeben, in Modernisierung begriffene, als Schienenfahrzeug auf der Straße jedoch überholte und von meinem Auto tatsächlich täglich überholte Straßenbahn anzubieten, die zu den von mir benötigten Zeiten hoffnungslos und menschenunwürdig überfüllt ist. Mindestens vierzig Pfennig muß ich für eine wenige Kilometer lange Fahrt bezahlen – mit Tariferhöhungen beschäftigen Sie sich gerade. Das Rauchen in der Straßenbahn haben Sie übrigens gänzlich verboten, den Gebrauch von Knoblauch offenbar nicht. Sie werden verstehen, daß Ihr Angebot nicht sehr attraktiv ist.

Ist Ihnen eigentlich bekannt, was ich in der Zeit treibe, in der mein Auto öffentlichen Verkehrsraum wegnimmt? Ich habe mir das Auto nämlich ebensowenig aus Vergnügungssucht gekauft, wie Ihre Beamten Autos benutzen, sondern um damit – was mir das Finanzamt als durchaus legitim bestätigt hat – schnell und bequem zur Arbeit zu fahren, zu jener Arbeit, die dazu beiträgt, Ihnen Gewerbesteuer einzubringen.

Zu Gesprächen bin ich gern bereit; Ihre einseitige Betrachtungsweise jedoch muß verstimmen.