STUTTGART (Galerie Valentin): "Chagall"

Das neueste graphische Werk von Marc Chagall, 42 farbige Lithographien zu "Daphnis und Chloe", ist in diesem Frühjahr fertig geworden und wird jetzt zum erstenmal in Deutschland gezeigt (gleichzeitig mit der Stuttgarter Galerie auch im Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle). Der antike Hirtenroman des Longus aus dem 3. nachchristlichen Jahrhundert, ein spätes, gänzlich unnaives und pikantes Beispiel für den Logos erotikos – und die Welt Chagalls: zwei extreme Positionen. Nur daß einem, wenn man die Blätter betrachtet, dieser Gegensatz überhaupt nicht zum Bewußtsein kommt, weil Chagall nicht einmal den Versuch unternimmt, in diese ihm fremde Sphäre einzudringen. Für ihn spielt die Geschichte von Daphnis und Chloe nicht auf Lesbos und nicht in einer klassischen Szenerie. Er illustriert ein orientalisches oder ein russisches Märchen. Gogol, Lafontaine oder Longus – für Chagall ist das Buch nur Anlaß, seine eigne Welt zu demonstrieren. – Die Lithographien erschienen in einer Auflage von 250 Exemplaren.

WITTEN (Märkisches Museum): Kunstsammlung der Stadt Witten

Zu seinem 75jährigen Jubiläum zeigt das Märkische Museum eine Auswahl seiner Bestände an "Malerei und Graphik des 20. Jahrhunderts". Die, Ausstellung dauert bis zum 23. Dezember. Sie gibt Einblick in die stille Arbeit eines deutschen Provinzmuseums und beweist, was auch mit bescheidenen Mitteln erreicht werden kann. 136 Werke von 74 Künstlern geben keine lückenlose, aber eine gute erste Orientierung über den Weg der deutschen Malerei seit 1900. Fast alle bedeutenden Namen sind vertreten, von Rohlfs und Nolde bis zu Emil Schumacher und Ernst Wilhelm Nay, wenn Ölbilder unerschwinglich waren, dann wenigstens mit einem typischen Aquarell oder einer Graphik. Außer den bekannten Exponenten der verschiedenen Richtungen wurden vor allem die Maler aus dem Ruhrgebiet gesammelt. Weil das hier mit dem entsprechenden Takt geschieht, bekommt die Sammlung dadurch einen besonderen "heimatlichen" Akzent.

RINGENBERG (Galerie Schloß Ringenberg): "Schlotter"

In Schloß Ringenberg bei Wesel sieht man bis zum 29. November neue Arbeiten von Eberhard Schlotter, der einige Jahre in Spanien gelebt hat und jetzt wieder nach Darmstadt zurückgegangen ist. In seinen großen spanischen Bildern kombiniert er helle Mauern mit Flaschen und Vasen, Felsen mit Strandkörben. Er malt leere Straßen, Treppen, einen dunklen Platz in sublimen Tönen zwischen Grau und Violett. Die Melancholie seiner Themen wird durch eine sachliche Prägnanz neutralisiert. Diese unromantische Haltung kommt vor allem in einigen neuen Porträts und in den Holzschnitten zum Ausdruck. g. s.