H. Ph. Kairo, im November

Der Abfall Syriens hat die politische Stabilität des Nasser-Regimes auch in Ägypten erschüttert. Nach der erfolgreichen Revolte der "Reaktionäre" von Damaskus und Aleppo ist man jetzt auch im eigenen Land auf der Jagd nach "Staatsfeinden".

Die genaue Zahl derer, die in letzter Zeit eingesperrt oder enteignet worden sind, ist nicht bekannt, aber wie zuverlässige Zeugen bekunden, sind die offiziellen Zahlen von 40 Verhaftungen und 167 Enteignungen gewiß zu niedrig. Aber wie hoch sie auch sein mögen, jedenfalls hat Nasser eine großangelegte Säuberungskampagne gestartet. Entweder gelingt es ihm, seine Gegner einzuschüchtern oder aber er treibt sie damit zu einer Revolte nach syrischem Muster.

Wahrscheinlich ist, daß Nasser auch diese Krise übersteht – wie so manche andere in der Vergangenheit. Große Schwierigkeiten könnten ihm freilich dann erwachsen, wenn tatsächlich, wie manche politische Beobachter glauben, zwischen ihm und der "alten Garde" seiner Offiziere eine Kluft entstanden ist.

So wird zum Beispiel behauptet, Feldmarschall Hakim Amer, der ehemalige Prokonsul in Syrien, sei von seinem Herrn abgefallen. Daß zwischen Nasser und Hakim Amer ein gespanntes Verhältnis besteht, ist nicht unwahrscheinlich, denn Amer war es, der die Unzufriedenheit in Syrien bagatellisiert hatte.

Noch ist gegen Amer nichts unternommen worden. Noch immer ist er Vizepräsident, Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Armee. Einige seiner Verwandten freilich, so wird berichtet, seien schon von der Säuberung erfaßt.