Die bessere Stimmung an den Börsen wird von zahlreichen Banken dazu benutzt, seit langem gehegte Investment-Pläne in die Tat umzusetzen. Bei steigenden Kursen verkaufen sich Zertifikate erfahrungsgemäß besser als umgekehrt. Die Initiatoren der Fonds möchten natürlich die Zeit, die sie für günstig halten, für sich nutzen. Die erste Werbung für einen Fonds bringt immer den größten Verkaufserfolg. Die späteren Verkaufsaktionen sind sehr viel "mühsamer". Wir haben es in den letzten Jahren sogar erlebt, daß Fonds in den Wochen ihrer Gründung den größten Umfang erreichten und später langsam in sich zusammenfielen. Aber die Gründer hatten ihr Geschäft gemacht.

Gründungen mit solidem Hintergrund sind in den letzten Tagen bekanntgeworden. Zunächst haben die Commerzbank sowie das Londoner Bankhaus S. G. Warburg & Co. Ltd., London, gemeinsam den Commonwealth and European Investment Trust "Commet" ins Leben gerufen, dessen Heimat aus steuerlichen Gründen Luxemburg sein wird.

Er soll sich in Wertpapieren aus den wichtigsten europäischen Staaten sowie aus den überseeischen Commonwealth-Ländern engagieren. Der Schwerpunkt wird dabei auf dem europäischen Festland liegen. Neben der Anlage in Aktien ist auch ein Erwerb festverzinslicher Titel möglich.

Der neue Investmentfonds wird in die Rechtsform einer Aktiengesellschaft gekleidet. Es handelt sich also um die in Deutschland bisher noch nicht bekannte Form eines "geschlossenen" Fonds ("closed-end" im Gegensatz zu der sonst hier üblichen Form des "open-end-Fonds"). Damit können die Anteile auch in solchen Ländern vertrieben werden, in denen – wie in Frankreich – nur geschlossene Fonds zugelassen sind.

Das ausgegebene Kapital des Trusts wird sich auf 7,5 Mill. US-Dollar belaufen. Es wird eingeteilt in 1,5 Millionen voll eingezahlte Inhaber-Aktien im Nennwert von je 5 US-Dollar. Die Anteile werden zum Nennwert ausgegeben. Es ist beabsichtigt, die Aktien bald an mehreren europäischen Börsen einzuführen.

Den neuen Fonds "Tresora" bezeichneten Vertreter der Allgemeine Deutsche Investmentgesellschaft mbH (München-Düsseldorf) als "spekulativ in solidem Sinne". Der Fonds mit der Erweiterung der Anlage auf überseeische Länder und mit thesaurierendem Charakter (Erträge werden nicht ausgeschüttet) komme vielfachen Publikumswünschen entgegen, der Zeitpunkt für die Auflage des Fonds sei angesichts des Kursstandes an den deutschen und zum Teil auch an den ausländischen Börsen als günstig anzusehen. Das Fondsvermögen verteilt sich zu 26 vH auf Anlagewerte in den USA, zu 20 vH in Deutschland, je 15 vH in Frankreich und Italien, die übrigen Werte auf Belgien, Kanada, England, die Niederlande, Luxemburg, Österreich, Schweden und Spanien. Branebenmäßig entfallen z. Z. 14 vH auf die Elektroindustrie, Elektronik, Automation und Büromaschinen, je 12 vH auf die Versorgungsindustrie bzw. Maschinenbau, Metallgewinnung und Verarbeitung bzw. Chemie, Pharmazeutik und Kosmetik und 10 vH auf Bau- und Baustoffindustrie und Glaskeramik. Im übrigen handelte es sich um Aktien aus den Sektoren Brauereien, Nahrungs- und Genußmittel, Warenhäuser, Einzelhandel und Versandgeschäfte, Kreditinstitute, Versicherungen, Montanindustrie usw. Es seien Branchen mit besonderen Wachstumschancen ausgewählt worden.

Das Verhältnis Europa zu Übersee in der Fondszusammensetzung beläuft sich auf 70,5 zu 29,5 vH von Deutschland zum Ausland auf 20 zu 80 vH. Die Prozentverhältnisse seien jedoch nicht starr; sie können jederzeit auf Grund der Branchen- und Marktentwicklung der einzelnen Länder geändert werden. Durch den zunächst fast 30prozentigen Anteil an US-amerikanischen und kanadischen Werten erhalte der Fonds angesichts der derzeitigen Wirtschaftslage in Nordamerika einen stabilisierenden Faktor. – x