Für die Tätigkeit, um die es sich hier handelt, gibt es viele kräftige und nicht allgemein bekannte Ausdrücke: "Eine Sause machen", "auf den Swutsch gehen", "zu einem Zug durch die Gemeinde starten" oder auch "ein bißchen ’rumsündern". In jugendlichen Kreisen spricht man auch davon, "ein Faß aufzumachen".

Indessen – bis heute ist es den Männern vorbehalten, "eine Sause zu machen". Selbst die gründliche Gleichberechtigung gibt den Damen keine Gelegenheit, sich zu einem ähnlichen Unterfangen aufzuschwingen. Die Umstände, die Zeitverhältnisse erlauben es nicht. Damen, die allein in Kneipen gehen, schlägt fast immer eisige Ablehnung entgegen. Jugendliche freilich, so sie in Gruppen leben, haben ihre Teestuben und Espressobars, und in ihnen finden auch einsame Mädchen schnell Anschluß.

Der Brauch, daß Männer gelegentlich "eine Sause machen", ist uralt und sturmerprobt. Er wurde weder durch Alkoholtests noch durch Gardinenpredigten je ernsthaft gefährdet. Dieser Brauch gehört zur geheimen Souveränität des Mannes.

Wie bei allen abendlichen Unternehmungen gilt auch bei der Sause: Tue Geld in deinen Beutel! Aber viele sind schon als stolze Helden auf der Straße der Abenteuer ausgezogen und als dürre "zwei Zeilen" im Polizeibericht wiedergekehrt.

Neuerdings überrascht in diesen Berichten die Höhe jener Beträge, die diese Männer in der Brieftasche tragen, Scheine in allen Größen. Einem Geschäftsmann, der sich munter in dem Vergnügungsviertel einer Großstadt tummelte, wurden am Schluß der Veranstaltung bare dreitausend Mark von "Schönen der Nacht" aus der Tasche gefingert – was ihn veranlaßte, die Polizei zu bemühen. Dreitausend Mark hatten sie ihm abgenommen, nachdem er schon zuvor allerlei Umtrunkrechnungen bezahlt hatte – wie hoch und wie teuer mochte er sein Vergnügen eingeschätzt haben, bis er entschied, noch dreitausend Mark mehr seien zuviel?

Es scheint, als nehme auch die alte, harmlose "Sause" heute Überdimensionen an. Es schwirren Gelder durch die Abendstunde, Summen, von denen man sich als solide arbeitender Mensch nichts träumen läßt... Nico