Eine Protestresolution wurde entschärft

H. W., Flensburg

Bei der Flensburger Schiffsbaugesellschaft gibt es, wie in allen größeren Betrieben der Bundesrepublik, einen Betriebsrat, mit genau umrissenen Rechten und Pflichten. Ob eine Protestentschließung gegen Maßnahmen des Zonenregimes zu den "betriebsinternen Angelegenheiten" und damit zu den Pflichten eines Betriebsrates gehört, ist zweifelhaft. Einige Betriebsratsmitglieder der Schiffsbaugesellschaft nahmen es jedenfalls mit ihren Pflichten erstaunlich genau und weigerten sich strikt, einem Protest gegen die Verschleppung des Gewerkschaftsjournalisten Heinz Brandt durch die Zonenpolizei zuzustimmen. Unter Protest verließen sie die Sitzung, wo die Entschließung abgefaßt wurde. Auf der Werft ist es ein offenes Geheimnis, daß die vier "Pflichteifrigen" den Kommunisten zumindest nahestehen.

Die Protestresolution des Betriebsrates hat eine eigenartige Vorgeschichte. Es ist bald vier Wochen her, daß ein sozialdemokratisches Betriebsratsmitglied auf einer Sitzung den Entwurf einer Resolution eingebracht hatte, in der gegen die Verschleppung von Heinz Brandt protestiert werden sollte. Das war zu jener Zeit, als ähnliche Protestaktionen des DGB und der IG Metall im gesamten Bundesgebiet liefen.

Die Resolution lautete damals so:

"Der Betriebsrat der Flensburger Schiffsbaugesellschaft protestiert in aller Schärfe gegen die Verschleppung des Kollegen Gewerkschaftsjournalist Heinz Brandt durch die Schergen des Pankower Regimes. Mit Empörung und Verachtung verurteilen wir die Methoden des Kommunismus, der sich anmaßend "Arbeiter- und Bauernstaat" nennt und zugleich die Rechte, Würde und Freiheit der Menschen, insbesondere der Arbeiter und Bauern, mit Füßen tritt. Wir fordern Freiheit für Heinz Brandt und alle Opfer bolschewistischer Willkür. Alle, die in Freiheit leben, rufen wir auf, den Handlangern der Tyrannei entschieden entgegenzutreten und ihnen bei uns den Mißbrauch der Freiheit zu versagen. Den radikalen Elementen der Zerstörung, mögen sie von links oder rechts kommen, gilt unser gemeinsamer unerbittlicher Kampf."

Dieser Text ist nun vier Wochen alt. In dieser Zeit hat der Betriebsrat in vielen Sitzungen über die Entschließung beraten. Was dabei besprochen wurde – darüber schwiegen sich die Betriebsratsmitglieder aus. Sicher ist nur, daß sie sich über die Formulierung der Entschließung lange nicht einig werden konnten. Am letzten Wochenende nun war es soweit. Man hatte eine neue Form gefunden. Der Text war "gemildert" worden, ganz abgesehen davon, daß er heute nicht mehr aktuell ist. Aber das kümmerte jene Betriebsratsmitglieder, die für die Verschleppung des Antrags verantwortlich sind, weniger.