Washington, im November

John Kennedy ist im Januar dieses Jahres mit drei großen außenpolitischen Zielen angetreten: Verbesserung der Beziehungen zu den blockfreien Ländern, Festigung des Bündnisses mit den Mächten des nordatlantischen Vertrages, Aushandeln von Waffenstillstandsbedingungen mit den Kommunisten.

Der junge Präsident stieß sehr bald auf die Unvereinbarkeit dieser Ziele in bestimmten Fragen Festigung der Freundschaft zu dem NATO-Partner Portugal schließt offenbar die Befürwortung der Unabhängigkeit der portugiesischen Kolonie Angola aus. Dennoch ließ Kennedy seinen UN-Botschafter für das Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung Angolas stimmen.

Die öffentliche Meinung folgte dem Präsidenten zunächst auch in seiner Politik der Aufwertung einer strikt neutralen Haltung, wie sie vor allem das Indien Jawaharlal Nehrus repräsentiert. Belgrad brachte dann eine deutliche Ernüchterung. In Washington glaubt man, daß die Neutralen dort vor einer historischen Aufgabe versagten.

Premierminister Nehru wird in diesen Tagen keine Frage so oft und so nachdrücklich gestellt bekommen wie diese: Warum gab und gibt es keinen deutlichen Protest der blockfreien Staaten gegen die neue Atomversuchsserie der Sowjetunion?

Kaum war der große alte Mann in New York gelandet, stellte er sich vor dem Fernsehen einem journalistischen Verhör. Dieses erste Frageduell drehte sich sofort um den indischen Antrag bei den Vereinten Nationen, es möge erneut ein Moratorium für alle Atomtests einsetzen, Nehru schien von der Heftigkeit der Fragen überrascht. Er reagierte schwach und ausweichend. Er wird vielleicht erst hier verstehen lernen, wie tiefbesorgt und verstimmt die Vereinigten Staaten über das eindeutig sowjetfreundliche Taktieren Krischna Menons sind.

Der indische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, eigentlich indischer Verteidigungsminister, lavierte die gegenwärtige Kontroverse um die Atomversuche in eine Sackgasse. Die Russen sollten, viel zu spät, zugleich mit Amerikanern und Engländern, aufgefordert werden, alle Versuche zu unterlassen, bis ein Vertrag das Moratorium ablösen würde. Die Amerikaner weisen jedoch darauf hin, daß die Russen soeben erst ein Moratorium einseitig brachen und jeden Vertrag bisher umgingen.