Er praktiziert, was den Albanern vorgeworfen wird: Personenkult und Terror

Von Carola Stern

Im Ostberliner "Deutschen Fernsehfunk" klingelte das Telephon. Hohe Funktionäre der SED veranstalteten ein "Telephon-Forum zum XXII. Parteitag der KPdSU" und beantworteten Fragen, zum Beispiel diese:

"Wird nach der Entfernung des Leichnams Stalins aus dem Mausoleum am Roten Platz in Moskau auch die Stalin-Allee in Ostberlin umbenannt?" Zuständig für die Antwort war Genosse Sindermann, Leiter der Abteilung Agitation und Propaganda im SED-Zentralkomitee. Doch Genosse Sindermann wich aus: "Die Auswertung des XXII. Parteitages der KPdSU wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen!"

Man schrieb den 1. November! Erst am übernächsten Tag wurden Ulbricht und die anderen Mitglieder der SED-Delegation vom Moskauer Parteitag zurückerwartet. Aber die Genossen, die gehofft hatten, der Erste Parteisekretär werde gleich nach seiner Rückkehr sagen, was denn nun zu sagen sei, wurden enttäuscht. "Es waren inhaltsreiche und erregende Tage, die wohl niemand von uns jemals vergessen wird", sagte der Erste Parteisekretär.

"Wir müssen es tun"

Wir wissen, wie Ulbricht auf dem XX. Parteitag der KPdSU reagiert hat. Keineswegs bereit, zu jeder Entscheidung in Moskau eilfertig "ja und amen" zu sagen – so wie man es sich manchmal in der Bundesrepublik vorstellt – hatte er damals, im Februar 1956, zunächst Bedenken gegen eine Verdammung Stalins angemeldet und vor gefährlichen Auswirkungen gewarnt. Das aber war noch vor Beginn des Parteitages und auf einer internen Sitzung. Als Chruschtschow entschied: "Wir müssen es tun!" fügte sich Ulbricht auf seine Weise. Nach Ostberlin zurückgekehrt, hielt er eine scharfe Anti-Stalin-Rede und wies intern seine Leute an: In der Partei wird jetzt über Wirtschaftsplan-Erfüllung und noch einmal über Wirtschaftsplan-Erfüllung diskutiert! Und später: "Entstalinisierung" wie in Polen und Ungarn kommt bei uns nicht in Frage!