Vor 150 Jahren, am 22. Januar 1811, schrieb Jakob Grimm über Kleists "Käthchen von Heilbronn" an Achim von Arnim: "... indem sein Käthchen ... nebst allem was daraus entstanden ist, elend, ja gemein geraten ist", leuchte es gewiß ein, "daß der Heinrich von Kleist weiter kein Schauspiel mehr schreiben sollte".

Der Rezensent der WELT pries 150 Jahre später das Schauspiel – "wunderbar", "vollendet" – hatte aber viele Einwände gegen die Inszenierung.

"Einen auffallenden Beweis von der Macht der Schauspielkunst (und nicht etwa des Stückes) gewährte Das Käthchen von Heilbronn", hieß es in österreichischen Beobachter vom 28. März 1810 zur Uraufführung im Wiener Burgtheater. "Ein Stück ohne innere, Kraft und Einheit war durch die vortreffliche Darstellung des Helden und der Heldin so gehoben, daß es wenigstens stellenweise eine dramatische Wirkung hervorbrachte."

Zu der Aufführung des "Käthchen" im Hamburger Deutschen Schauspielhaus schreibt das Hamburger Abendblatt vom 21. Oktober 1961: "Aus den Himmeln der Dichtung steigt Romantik zu uns herab und zieht das Publikum ... in den Zauber- und Märchenbann ..."

Dagegen glaubte das Morgenblatt im Jahre 1810, in der Uraufführung dieser "Ritter-Tragödie" "eine Parodie auf den romantischen Schnickschnack unserer Zeit zu finden-. Bald aber ward es uns gewiß, daß es dem Hrn. v. Kleist barer brennender Ernst sei".

Es ist nicht nur die "ganze Anlage" des Schauspiels, die Heinrich von Kleists Kritikern vor 150 Jahren mißfiel, sondern auch der Ausdruck. Nein!" empört sich der Rezensent des Morgenblattes, "etwas Tolleres ist uns seit des in Frieden entschlafenen Cramers Haspar a Spada (berüchtigter Ritterroman) nicht wieder vorgekommen."

Der "österreichische Beobachter" vom 8. März 1810 sagte das gleiche in gesetzteren Worten. "Die Sprache ist hier und da nicht anständig genug ..." Und: "Schrecklich zu hören, auch der Engel der Sprache hat ihn, als er dies schrieb, verlassen. Die Figuren... müssen Sätze äußern, die schmerzen..."