FÜR solche Leser, die der modernen Literatur manchmal ein wenig müde sind:

"Lancelot und Ginevra" – den Dichtern des Mittelalters nacherzählt von Ruth Schirmer; Manesse Verlag, Zürich; 490 S., 14,40 DM.

ES ENT HÄLT den, neben oder nach dem "Tristan", berühmtesten Liebesroman des Mittelalters mit 24 wunderschönen Illustrationen: Miniaturen aus dem 13. Jahrhundert.

ES GEFÄLLT, weil es der Nacherzählerin gelungen ist, die naive Erzählweise der ersten "Romanciers" – nach altfranzösischen, lateinischen und mittelenglischen Quellen – in ein klares, einfaches, unaffektiertes Deutsch zu übertragen, das kaum jemals von dem schmalen Weg zwischen archaisierendem Manierismus und modernisierendem Jargon abkommt. So wird auch der philologisch völlig unvorbelastete oder uninteressierte Leser – und gerade er! – Gefallen finden können an dem, was einmal "Roman" hieß. Daß es schon ein Vergnügen ist, dies Bändchen in Händen zu halten, versteht sich bei einem Manesse-Buch beinahe von selbst.

a. e.