Der USA-Finanzminister Douglas Dillon und der Handelsminister Luther Hodges sind ihrem Kollegen im Außenministerium, George W. Ball, außerordentlich schnell zu Hilfe geeilt. Eine Woche nach Balls aufsehenerregendem Vortrag in New York greift Dillon das gleiche Thema auf: Die USA müßten ihre Handelspolitik "revolutionieren" und den Reciprocal Trade Agreements Act grundlegend erweitern. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die in amerikanischer Sicht möglicherweise bald einen Wirtschaftskomplex von 300 Millionen Menschen darstellt, sollte für die händlerische Initiative der USA "offen" bleiben. Wohlstand und gesunde Zahlungsbilanz könnten jenseits des Atlantiks nur als gesichert gelten, wenn der Tauschverkehr mit Europa gut funktioniere, Zölle und andere Beschränkung müßten also abgebaut werden.

Und Hodges sagte an einer Pressekonferenz in Washington, er stehe einem Abbau der Handelsschranken in den USA und in anderen Ländern wohlwollend gegenüber. Darüber hinaus glaubt er sogar, daß die amerikanische Wirtschaft die Frage von Zollsenkungen heute positiv beurteile. Präsident Kennedy allerdings habe seine Meinung über die ganze Angelegenheit noch nicht fixiert.

Man hat nun aber doch in Amerika erkannt, daß eine Überschreitung der EWG-Zollschranken nicht möglich ist ohne ein eigenes faires Angebot. Wer liberal behandelt werden will, muß selbst auch liberal sein! Dillon fordert deshalb für den Präsidenten freie Hand in kommenden Zollgesprächen. – Darüber hinaus muß in der wirtschaftlichwestlichen Welt (mit den Industrienationen als Schwerpunkten) ein modus vivendi gefunden werden für alle Entwicklungsgebiete. Eine einheitliche Handelspolitik der westlichen Hemisphäre wäre schließlich zu schaffen, eine Wirtschaftspolitik des "Aufschwungs für alle" gewissermaßen.

Man mag in dieser sich nun deutlicher abzeichnenden Haltung der Kennedy-Administration die Neigung erkennen, weltweit zu denken und politisch langfristig zu handeln. Gleichzeitig wird der nüchterne Sinn für Realitäten beim Amerikaner klar. Zuerst gilt es, die Balance Europa–Amerika zu finden – es geht dabei um recht handgreiflich ökonomische Fragen –, und dann erst kann der gemeinsame Weg zur wirtschaftlichen Konsolidierung des Westens gefunden werden. Der Wegweiser, heute von der EWG in Europa gesetzt, scheint auch für die USA eine gangbare Richtung anzuzeigen. Rle.