N. A., London, im November

Großbritannien ist dabei, mit vollen Segeln Kurs auf den Gemeinsamen Markt zu nehmen. Die Verhandlungen, die Minister Heath mit den Mitgliedern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in Brüssel führte, lassen daran keinen Zweifel. Es gab nur einige Londoner Zeitungen, die sich wieder einmal gegen einen Anschluß Englands an die "Großen Sechs" gewandt haben. Sie benutzten die etwas langatmige Rede Professor Hallsteins, um ihren Lesern einzureden, der EWG-Präsident habe den britischen Minister attackiert. Dabei hatte Hallstein nur angedeutet, daß noch viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müßten und daß die "harten Verhandlungen" jetzt erst begännen.

Am lautesten aber hat sich Kanada gegen den EWG-Beitritt Englands ausgesprochen. Ostentativ blieb der kanadische Hochkommissar einem Empfang für die Commonwealth-Vertreter in London fern, wo Heath über die Brüsseler Gespräche berichtete. Gerade in Ottawa ist der britische Plan, sich der Wirtschaftsgemeinschaft anzuschließen, auf wenig Gegenliebe gestoßen.

Inzwischen aber kann London erst einmal aufatmen: Die "Großen Sechs" haben beschlossen, über den Agrarschutzzoll erst im nächsten Jahr zu verhandeln. Heath hat also Zeit genug, um die Regierungen Kanadas, Australiens und Neuseelands vorsichtig darauf vorzubereiten, daß sie ihrer Landwirtschaft Zügel anlegen müsse. Darum vermeidet es auch der Minister geschickt, sich auf ein Datum für die Unterzeichnung der "Römischen Verträge" festzulegen.

Das Tauziehen, das um den neuen Plan de Gaulles für eine "Europäische Union" begonnen hat, kommt ihm dabei sehr zustatten. Je länger die Auseinandersetzung um die politische Einigung Westeuropas dauert, um so größer ist die Atempause, die London noch zur Vorbereitung seines Anschlusses an die Wirtschaftsgemeinschaft hat.