Ein Konzern wandelte sein Gesicht

Von Bernd Huffschmid

Krupp gehört zu den wenigen Großkonzernen in der Bundesrepublik, die sich im Zeichen des westdeutschen Wirtschaftsaufschwunges bisher noch kein neues Verwaltungsgebäude zugelegt haben. Noch immer begnügt sich die Essener Firma mit der alten Hauptverwaltung, deren "Turmhaus" nun schon über 50 Jahre alt ist. Es liegt mitten im Gelände der ehemaligen Gußstahlfabrik, dem Herzstück des "Kruppschen Industrie-Imperiums", wie Chronisten die Fabrik mit ihren 100 Hallen und Gebäuden gelegentlich genannt haben. Vom Bombenhagel des letzten Krieges einigermaßen verschont geblieben, reichte es nach gründlichen Reparaturen noch aus, die 777 Personen umfassende Mannschaft der Konzernleitung zu beherbergen.

Inzwischen hat aber der Brain-Trust des Unternehmens beschlossen, das bisher scheinbar Versäumte nachzuholen und seinen Kommandostand zu verlegen. Im Hügelpark im Süden der Stadt, weitab von den Fabrikhallen, soll in den nächsten beiden Jahren ein neues Verwaltungsgebäude errichtet werden. Es wird kein Hochhaus werden, wie sie in den letzten Jahren als Verwaltungszentren gewichtiger Großunternehmen emporgeschossen sind; man denkt vielmehr an ein flaches, aufgelockertes, mit der Landschaft verbundenes, allerdings hochmodernes Gebäude, für das ein amerikanischer Architekt die Pläne ausgearbeitet hat.

Das neue Haus wird erheblich kleiner werden als die jetzige Hauptverwaltung, für die das Parkinsonsche Gesetz anscheinend keine Gültigkeit mehr hat. Dieses Gesetz des unaufhörlichen bürokratischen Wachstums hat sich in der Vergangenheit auch bei Krupp genügend ausgewirkt, keineswegs immer zum Vorteil des Unternehmens, meint Alfried Krupps Generalbevollmächtigter Beitz. Es sei höchste Zeit, die Konzernleitung zu straffen. Man hört, daß im neuen Haus des Hügelparkes nicht mehr als 400 Menschen ihren Arbeitsplatz haben werden. Das sei für heute und für die absehbare Zukunft ausreichend.

Anfangs fehlten die Mittel

Der bisherige Verzicht auf einen Verwaltungsneubau und das vergleichsweise bescheidene Ausmaß des neuen Hauses können in mancher Hinsicht als symbolisch für die heutige Situation der Firma Fried. Krupp angesehen werden, die in diesen Tagen auf ihr hundertfünfzigjähriges Bestehen zurückblickt.