Eine Unterhaltung mit dein neuen Chef des AA

Von Marion Gräfin Dönhoff

Es ist ein hartes Geschäft, Parlamentarier zu sein: Da ist kein Argument zu scharf und keine Bemerkung schneidend genug, wenn es darum geht, selber recht zu behalten und den anderen ins Unrecht zu setzen, ihn lächerlich oder unglaubwürdig zu machen. Und in unserer Situation, in der die DDR sich befleißigt, gegen jedermann entsprechend zurechtgestutzte Pfeile zur Verfügung zu stellen, nun schon gar nicht. Hat einer auf diese Weise erst einmal sein Etikett bekommen, dann kann es leicht sein, daß er bis zum Ende seiner politischen Laufbahn damit herumlaufen muß.

Dem neuen Außenminister Gerhard Schröder hat man einst den Beinamen "SA-Mann" verpaßt. Und es ist anzunehmen, daß diese Bezeichnung, die bisher nur auf dem heimischen Schauplatz eine Rolle spielte, in Zukunft – dafür wird schon die DDR sorgen – auch auf den internationalen Plätzen die Runde machen wird. Die Regierung hat vor einigen Tagen den dokumentarisch belegten Lebenslauf Dr. Schröders während der "braunen" Zeit veröffentlicht. Darin heißt es:

"Dr. Schröder ist zu keiner Zeit Mitglied der SA gewesen. Im Winter 1933/34 wurde er zwar, wie viele Studenten und Referendare, genötigt, sich als Anwärter um die Mitgliedschaft in dieser Organisation zu bewerben. Dr. Schröder entzog sich dem jedoch nach wenigen Monaten durch seinen Wegzug von Bonn nach Berlin und wurde in der Liste der Anwärter ‚wegen Interesselosigkeit‘ gestrichen. Das Document Centre enthält keinen Vermerk über die angebliche Mitgliedschaft.

Dr. Schröder trat 1933 als nominelles Mitglied der NSDAP bei, ohne sich jedoch irgendwann in der Partei zu betätigen. Seine dem Nationalsozialismus gegenüber ablehnende Haltung bekundete Dr. Schröder vor 1933, als er die von dem Nationalsozialisten heftig bekämpfte Hochschulgruppe der Liberalen Deutschen Volkspartei in Bonn leitete, nach 1933, als er in Berlin im Jahre 1938 seinen Beitritt zu der vom NS-Regime bekämpften bekennenden Kirche vollzog."

Schröder und Strauß