Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Im Werbeprospekt der USA-Lebensmittelausstellung, Hamburg, hieß es: Amerikanische Lebensmittel sind erstklassig. das möchten wir beweisen!

Ich wollte es mir am ersten Tag der Ausstellung beweisen lassen, wollte außerdem erfahren, wieviel was kosten würde, wenn es das Überangebot unsereseigenen Marktes mit untereuropäischen Preisen übertrumpfte.

Im Ausstellungsrestaurant versuchte ich, typisch amerikanisch zu essen. Als ich in der Snackbar endlich an die Theke gepreßt wurde, fragte die Kellnerin auf meine Bestellung nervös: "Banana split? Die Bananen sind alle. Wie der schmeckt? Den können Sie sich auch selber machen: Vanille- und Erdbeereis, Schokosauce und Sahne drüber und zwei halbe Bananen dazu." Der Manager des anschließenden 20-Tische-Restaurants hob erschöpft die Schultern: "Tut mir leid! Um 16 Uhr gibt es erst wieder was zu essen. Ich mußte für eine Stunde schließen, damit ich die Küche wieder auffüllen kann. Die Menschen haben gegessen, als ob in Hamburg die Hungersnot ausgebrochen wäre."

Ich hätte haben können: Shrimp Louis – Langustenschwänze in Mayonnaise mit Ei und Tomaten und Sauce Louis; American Salad Bowl – Puter, Schinken, Käse, Ei in Tausend-Insel-Sauce; Hamburger Special – Beefsteak in Brötchen mit Krautsalat, Pommes frites und Gewürzgurke; Cheeseburger – ungefähr das gleiche mit zerschmelzendem Käse; Pancake Special – Pfannküchlein mit Kirschen und Sirup und Schlagsahne. Und natürlich auch Puter- und Hühnerfleisch in Scheiben zu Toast, ein Muschelgericht und einige Ice Cream Specials, Super Size, Sodas und Sundaes – Kompositionen aus Eis, Sirup, Sahne, Obst. Schließlich bekam ich doch den Banana Split. Er kostete zwei Mark, schmeckte köstlich, aber wie eine normale Eisspeise.

Die Erinnerung an die Care-Pakete, damals Ursymbole des Reichtums, des Eß-Luxus und der selbstverständlichen Hilfsbereitschaft einer ganzen Nation, dazu die sehr starke, unüberhörbare Werbung für diese Ausstellung, dazu die Hoffnung, hier die künftigen billigen Lebensmittel kennenzulernen, dazu die Neugier auf den neuen Eßstil, dazu der Wunsch, die aus den farbigen, ganzseitigen Anzeigen in Ladies’ Home Journal oder Good House keeping längst bekannten Wonda-Mixes, Super Chez Whipps und Fabolous Dressings in natura zu kosten: Die Leute standen wieder Schlange nach allem Eßbaren.

"Über 10 000 Portionen Linsensuppe haben wir ausgeschenkt", der junge Mann vom Verein der Getreidehändler, "und sonst sind Linsen kaum mehr zu verkaufen!"