Gerade im rechten Augenblick haben sich die nordischen Staaten um ihren bedrohten finnischen Nachbarn geschart. Während Helsinkis Außenminister Ahti Karjalainen bei seinem sowjetischen Kollegen Gromyko in Moskau auszukundschaften versuchte, was die Russen mit ihrer Note vom 30. Oktober gegen Finnland im Schilde führten, stärkten die skandinavischen Premiers ihrem östlichen Bruder den Rücken. Schwedens Ministerpräsident Tage Erlander bestritt noch einmal energisch, daß sich sein Land an die NATO anschließen wolle; Dänemark, das schon auf dem besten Wege war, in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft einzutreten, unterschrieb zusammen mit den übrigen vier nordischen Regierungen eine Konvention für eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit im skandinavischen Raum. Damit wollten sie den Sowjets erst einmal den Wind aus den Segeln nehmen.

Die Russen hatten in ihrer Note Finnland zu gemeinsamen Beratungen und Aktionen gegen eine angebliche militärische Bedrohung durch die "Bonner Ultras" und ihre Verbündeten zwingen wollen. Moskau äußerte den Verdacht, Schweden wolle seine Neutralität aufgeben, Norwegen und Dänemark sich enger an die westliche Wirtschafts- und Verteidigungsorganisationen anlehnen, und Finnland schließlich könnte – diesem "Zug der nordischen Schwäne" folgend – neue Kontakte zu der westeuropäischen Wirtschaftsvereinigung anknüpfen. Die skandinavischen Premiers haben seit dem 30. Oktober immer wieder versucht, den Kreml vom Gegenteil zu überzeugen.

Staatspräsident Kekkonen strahlt auch nach der Rückkehr seines Außenministers aus Moskau unverdrossen Zuversicht aus. Er muß die Finnen, die ihn im Februar des kommenden Jahres erneut wählen sollen, davon überzeugen, daß nur er die Neutralität des Landes gegenüber der sowjetischen Offensive garantieren kann. Es lag etwas Spott in seiner Frage an den sowjetischen Botschafter A. V. Zaharow, der den Amerika-Besucher auf dem Flugplatz Sjöskog bei Helsingfors begrüßte: "Nun, steht sie noch, diese Republik Um sich nun selbst zu behaupten und den drängenden Russen die Gewähr zu geben, daß Finnland an seinem neutralen Status festhält, löste er den Reichstag auf und schrieb Neuwahlen aus. Diese Wahlen sollen eine Volksabstimmung sein und eine Antwort der Finnen auf die Note des Kremls geben. Sie wird zeigen, daß "diese Republik" tatsächlich noch steht, auch wenn Kekkonen gezwungen werden sollte, in die neue Regierung einige Kommunisten aufzunehmen. dst