Ein Sojasteak bitte." Der Verkäufer holt ein Paket aus dem Regal und gibt es dem Kunden. Zu Hause angekommen, wickelt der Kunde die graue Schnitte aus und legt sie ins Wasser. Nach ein paar Minuten ist aus der bröcklig-harten Masse ein rosa Beefsteak geworden, frisch und saftig. Mit Beef hat es freilich nichts zu tun, denn es ist ein reines Pflanzenprodukt; synthetisches Fleisch aus dem Eiweiß der Sojabohne hergestellt und mit künstlichem Fleisch-Aroma versehen. Aber was tut’s. Es sieht aus wie ein Steak, schmeckt wie Fleisch, und hat überdies einen höheren Nährwert als sein natürliches Vorbild.

Phantasterei? Keineswegs: die Wissenschaftler im Laboratorium für Nahrungsmitteltechnik an der Technischen Universität von Massachusetts sind dabei, diesen Zukunftstraum zu verwirklichen. Immerhin gibt es das synthetische Fleisch aus Sojamehl schon. Als Bestandteil von Fertiggerichten ist es bereits auf dem Markt. Und auf das Schnitzel, das nicht mehr im Kühlschrank aufbewahrt werden muß, das unbegrenzt haltbar und vor allem viel billiger ist als natürliche Fleischprodukte, brauchen wir – wie die Nahrungsmitteltechniker versichern – nicht mehr lange zu warten.

Das Aussehen von Naturprodukten zu imitieren, ist nicht schwer. Auch die Geschmackstoffe lassen sich synthetisch herstellen – kleine Abweichungen vom Aroma des Originals werden vom Konsumenten, hat er erst einmal sein Vorurteil gegen die Chemie überwunden, sogar begrüßt.

Große Schwierigkeiten bereitet zur Zeit noch die Nachahmung der Konsistenz.

Der Schweizer Käse aus Sojamehl fand erst Anklang, nachdem man ihn mit Löchern versehen hatte, und in der Salami aus Fischeiweiß mußten unbedingt weiße Klümpchen sein, die Fettstückchen vortäuschen. (Dabei kauft der Verbraucher die Fischsalami gerade deshalb, weil sie fettfrei ist.)

Immerhin ist es gelungen, Fleischfasern, Kuchenkrümel und Himbeerkernchen zu fabrizieren. Mit Kaumaschinen und in zahlreichen, bei den Studenter. sehr beliebten Probemahlzeiten haben die Lebensmittelingenieure die rechte Knusprigkeit, den Schmelz und die Krümeligkeit herausgefunden, die das Essen zur wahren Freude machen. Denn auf nichts reagiert der Mensch so konservativ wie auf das, was er zwischen die Zähne bekommt.

Th.v. R.