In den Jahren einer anhaltenden Börsenhausse stellten sich wohl alle Investmentgesellschaften die Frage, wie das von Ihnen angesprochene Publikum wohl reagieren würde, wenn an der Börse die Kurse nicht mehr steigen, sondern Verluste eintreten, und wenn die dann in den Kurszetteln veröffentlichten Abgabepreise weiter unter dem stehen, was ein Teil der Zertifikatsbesitzer anlegte, als er die Anteile erwarb. Auch bei einer solchen Entwicklung kommen die Gesellschaften allerdings nicht in Schwierigkeiten. Muß einmal mehr an Zertifikaten zurückgenommen werden als aus den eigenen liquiden Mitteln ausgezahlt werden kann, dann muß die Substanz des Fonds angegriffen, dann müssen Aktien verkauft werden.

Als die Börsenhausse sich in der ersten Hälfte dieses Jahres ihrem Kulminationspunkt näherte, begann auch die Deutsche Gesellschaft für Wertpapier-Sparer mbH (Führung Deutsche Bank) eine gewisse Zurückhaltung bei der Anlage der dem Investa-Fonds neu zugeflossenen Gelder zu üben. Seine Guthaben betrugen am Ende des Geschäftsjahres 1960/61 8,95 vH des Fonds-Vermögens, während es im Jahre zuvor 8,04 vH waren. Bei dem Intervest-Fonds, der im günstigeren Winde einer Auslandsbörsenhausse lag, verhielt sich die Verwaltung genau umgekehrt. Hier betrugen die Guthaben am 30. September 12,49 vH. Sie waren damit aber geringer als im Jahre zuvor mit 14,13 vH.

Die Vorsicht bei dem nur deutsche Aktienwerte enthaltenden Investa-Fonds war sicherlich gut; doch wie man rückschauend feststellen kann, nicht unbedingt notwendig. Die Investa-Sparer verhielten sich nämlich in den politisch kritischen Tagen des August weit ruhiger, als man dieses erwartet hatte. Insgesamt wurden in diesen Tagen nur 0,3 vH des Umlaufs an Zertifikaten an die Gesellschaft zurückgegeben. Nur an wenigen Tagen überstieg der Rückfluß den Neuabsatz. Auf das Ganze des Geschäftsjahres gesehen, erhöhte sich die Zahl der Investa-Zertifikate um 3,83 Mill. Stück auf 4,26 Mill. Stück.

Die Sparer trennten sich also nicht von ihren Anlagewerten, wozu auch kein vernünftiger Grund vorlag. Trotzdem ist die Feststellung erfreulich, daß der einfache Mann, der vom großen Börsengeschehen nur wenig versteht, sich richtig verhielt. Schätzungen und Berechnungen zeigten, daß Investmentzertifikate in breiteste Kreise der Bevölkerung gegangen sind. Der Aufsichtsratvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Wertpapier-Sparer, Ulrich, vom Vorstand der Deutschen Bank AG, gab in der Pressekonferenz bekannt, daß es in der Bundesrepublik etwa 600 000 Sparer von Investment-Anteilen aller Art gibt, von denen 150 000 Investa-Anteile, und zwar im Durchschnitt 6.Stück pro Sparer besitzen.

Die Sparer verhielten sich richtig, denn unter dem Eindruck der Berlin-Ereignisse waren zwar die Kurse der Aktien zurückgegangen, die Unternehmen aber, die sie repräsentierten, waren in ihrer Ertragskraft nicht geschmälert. Im Gegenteil, sie warfen aus dem Geschäftsjahr 1960 sogar höhere Erträge aus. Die Ausschüttung auf das Investa-Vermögen hat sich erhöht.

Bei dem Fonds Intervest, der ausschließlich Anteile ausländischer Gesellschaften enthält, war die Kursentwicklung allerdings günstiger als bei Investa. Hier hat sich der Ausgabepreis mit Auflegung des Fonds im Mai 1959 um rund 20 vH von 85 DM je Anteil über 96,80 DM bei Beginn der Berichtsperiode auf 103,50 DM je Anteil am Ende des Geschäftsjahres erhöht. Ulrich wies mit Recht darauf hin, daß Sparer, die das Risiko dadurch breit streuen, daß sie sich an Fonds mit Inlands- und mit Auslandsaktien beteiligten, weniger große Verluste beim Ausgabepreis hinnehmen mußten. Hierüber sollte jeder Investment-Sparer nachdenken, dabei aber auch beachten, daß eine breite Streuung nicht nur die Verlustgefahr, sondern auch die Chance, Kursgewinne einzustecken, mindert. Der Intervest schüttet pro Anteil 4 DM aus, das sind 0,50 DM weniger als im Vorjahr das allerdings 16 Monate umfaßte. Die Ausschüttung enthielt damals einen Betrag von 0,61 DM für das Rumpfgeschäftsjahr. Der Intervest-Fonds hat also ebenfalls seine Ausschüttungen verbessert.

Über den Accumula-Fonds, der erst seit drei Monaten besteht, ist nicht viel zu berichten. Er konnte bisher ein Anlagevermögen von rund 14 Mill. ansammeln. Rlb