Kufstein, im November

Im Kaisergebirge dürfen nun doch keine Blumen aus dem Boden gerupft werden; nichts ist es mit jazzenden Radios, die man umlagert, um fröhlich zu speisen und zu trinken (Papier und Flaschen kennzeichnen später die Stätte); auch ist es verboten, mit dem Auto durch die Gegend zu sausen; und ein Grundstück zu kaufen, um einen Bungalow zu errichten, ist sinnlos geworden, weil sich’s dort ausgebaut hat – am ersten Novembersonntag entschied die Bevölkerung, das Gebiet solle unter Naturschutz kommen.

Die Kufsteiner verzichten also auf Besucher, die weiter südlich als "mondän" begrüßt werden, und damit auf eine – vielleicht beträchtliche – wirtschaftliche Expansion. Andere Gäste werden kommen, um die Stille zu genießen, mit weniger Geld im Beutel; aber sie sind den Kufsteinern lieber.

"Um den Preis einiger zertretener Blumen", warnte Franz Kneißl, schlage man so vieles aus. Offenbar hängen die Kufsteiner an ihren Blumen, denn Herr Kneißl wurde von ihnen ziemlich bloßgestellt.

Dabei ist Franz Kneißl ein mächtiger Mann: Skifabrikant und Mitbesitzer des Kaiserlifts (der vom Ortsrand zum Berghaus Aschenbrenner führt). Herr Kneißl wünschte Jubel, Trubel, Heiterkeit im Kaisergebirge, und als die Landesregierung in Innsbruck einen Entwurf für die Naturschutzverordnung ausarbeitete, mobilisierte Franz Kneißl flugs einige Freunde. Im Kufsteiner Gemeinderat gab es daraufhin mancherlei Stunk.

Es wurde abgestimmt, geschimpft, beantragt, revidiert, erklärt und gegenerklärt, beleidigt und zurückbeleidigt, plötzlich auch auf politischer Ebene gestritten, bis schließlich Bürgermeister Wahrstötter vorschlug, die Angelegenheit möge doch einfach durch einen Volksentscheid gelöst werden, und sich damit durchsetzte.

Im letzten Augenblick waren es wundersamerweise die Sozialdemokraten, die die Interessen der Unternehmer um Kneißl wahrnahmen und verlangten, man solle mit der Befragung warten, bis die Landesregierung sich zu den vorgebrachten "wirtschaftlichen Bedenken" geäußert habe. Allein, ihre Fraktion unterlag im Gemeinderat.