Von Rudolf Hagelstange

In den späten Nachmittagsstunden des ersten Oktobersonntags verunglückte zwischen Paestum und Battipaglia, auf der Heimfahrt von einem Freundesbesuch in Buxentum, der deutsche, seit 1934 in Italien lebende und seit 1941 ständig in Positano ansässige Maler Kurt Craemer durch die Schuld eines unbeherrschten Sonntagsfahrers, der frontal in den Wagen Craemers hineinfuhr. Von den sechs dabei Verletzten traf es den neben einem italienischen Mietchauffeur sitzenden Deutschen am schwersten: Er starb noch auf dem Wege ins Hospital.

Die Zeitungen meldeten seinen Tod. Sein Leben, seine menschliche und künstlerische Persönlichkeit bedürfen eines Nachwortes. Dies um so mehr, als der 1912 in Saarbrücken geborene Craemer – im Gegensatz etwa zu Gilles mit dem er befreundet war und einige Zeit in Florenz zusammenwohnte – einer breiteren deutschen Öffentlichkeit kaum bekanntgeworden ist.

Noch in diesem Frühjahr hatte er eine Ausstellung in den Vereinigten Staaten, während seine letzte und wohl einzige deutsche Nachkriegs-Ausstellung, 1953 durch die Düsseldorfer Galerie Hella Nebelung veranstaltet und von Wolfgang Cordan eingeleitet wurde.

Seine Bilder sind weit verstreut, vor allem in der englisch sprechenden Welt.

Seit 1939 bis zu den Hüften gelähmt, war der bis dahin reisefreudige junge Maler nun darauf angewiesen, daß die Welt den Weg zu ihm fand. Und in einem beschränkten, beinahe exquisiten, aber niemals snobistischen Sinn trat dies auch ein.

Daß es zuerst und zumeist die englisch sprechende Welt war, lag zum guten Teil an Fügungen originellster Art. Zum Beispiel daran, daß Positano durch die Landung der Alliierten bei Salerno schon 1943 unter deren Oberhoheit und in die Zone des Friedens geriet und der einzige Engländer, den Craemer vor dem Kriege kennengelernt hatte, gewissermaßen „Stadtkommandant“ von Positano wurde.