Was gab es einst alles – und was gibt es heute nicht mehr", klagt Sigismund von Radecki in der ZEIT vom 3. November. Was gab es einst alles – und was gibt es heute noch!

Zunächst das Wichtigste: Es gibt immer noch Menschen, trotz der vielzähligen Bestrebungen, diese auszurotten. Es gibt immer noch Unmenschen, seufzen die anderen.

Die blaue Blume ist noch hier und da zu finden. Nur mündet die Neo-Romantik so allmählich in die Strömung der Neon-Romantik ein.

Es gibt in Deutschland immer noch eine Klassentrennung in den Wagen der Bundesbahn und eine Rassentrennung im Film. Unbekleidete weiße Mädchen sind verboten und gehören zur Unkultur, unbekleidete schwarze Mädchen sind erlaubt und gehören zur Kultur.

Auch heute noch trägt man Eulen nach Athen. Nicht nur Hildesheimer und Flora tun das.

Der "greiserne Kanzler" und die Mauer in Berlin sind noch nicht gestürzt, die Nazis nicht ausgerottet, sagt man, Soraya ist immer noch Starmodell der Witwenblätter, die Welt wird mit Brettern vernagelt, Kunst geht nach Brot, es gibt immer noch Fragebogen, Tabus, Könige und Pfaffen, einen Erich-Pabel-Verlag, Quacksalber, Chiromanten, böse Buben, Wunder, Amtsschimmel (wiehernd), Liebe, Damenröcke, gegenständliche Künstler, Hohenzollern, und jede Woche gibt es immer noch die ZEIT. Dafür ist Stalin jetzt verschwunden. Vielleicht schießen sie ihn zum Mond, denn den gibt es noch.

Immer noch ist dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen, daß kein Kamel durch ein Nadelöhr geht. Außerdem gibt es immer noch Dumme, denn die werden nie alle.