Schäffers Abschied von der Politik

Unter den Ministern, die dem neuen Bundeskabinett nicht mehr angehören, ist nur einer, der sich ganz aus dem aktiven politischen Leben zurückzieht: Fritz Schäffer, der in seine bayrische Heimat zurückgeht. Schäffer hat ein an großen Aufgaben und Erfolgen reiches Leben hinter sich. Immer hatte er einen sicheren Instinkt für das jeweils Erreichbare, eine sich klug einfühlende Kompromißbereitschaft, die freilich in den letzten Jahren an seiner manchmal großen Härte Schaden nahm. Seine natürliche Rednergabe ließ ihn seine Argumente meist sehr viel gewinnender vorbringen, als es seinen Gegnern gelang.

Schäffer war acht Jahre Bundesfinanzminister. Er hat sich in diesem Amt Verdienste erworben, die heute, vier Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Bundesfinanzministerium, von manchem richtiger gewertet werden als damals. Freilich, er war kein bequemer Finanzminister. Männer der Wirtschaft, die rasch vergessen haben, wieviel auch er, der strenge Finanzminister, in den schweren Aufbaujahren zu ihrem Wohlstand beigetragen hat, warfen ihm vor, er stecke zu tief im rein fiskalischen Denken und begreife nicht die Aufgaben der Finanzpolitik in einer mächtig expandierenden Wirtschaft. Der Kanzler, durch viele Zwistigkeiten, oft um kleiner Belange willen, verärgert, verweigerte dem im Wahlkampf von 1957 aber noch gefeierten Bundesfinanzminister die Wiederkehr in sein Ministerium.

So wurde Schäffer Bundesjustizminister, ein Amt, das er mit dem ihm eigenen Verantwortungsgefühl, aber ohne von der Aufgabe fasziniert zu sein, leitete. Nun nimmt der 74jährige, den manche eine Zeitlang nach Begabung und Erfahrung als den qualifiziertesten Nachfolger Adenauers ansahen, einen von Wehmut und Resignation umflorten Abschied. Jüngere drängen erwartungsvoll nach: in Bonn, in München. Er mag in diesen Tagen an seine Jugend denken, da er, von ähnlichen Hoffnungen beflügelt, in der bayerischen Volkspartei frühe Triumphe feierte.

R. S.