Die Amateurboxer, die jetzt ihre Meisterschaften in Berlin durchführten, haben es schwer. Einmal stehen sie im Schatten der wenigen Profis, die Schlagzeilen machen, und außerdem stehen sie noch bei vielen Laien im Geruch des "schmutzigen Lorbeers". Dabei sind ihre Funktionäre biedere und brave Leute, die aber auch gar nichts mit jenen US-Managern zu tun haben, die nicht selten mit der New Yorker Unterwelt in Kontakt oder sogar im Kontrakt stehen.

Ein Lichtblick für die Amateurboxer ist es nun, daß sie zu den telegenen Schoßkindern des Fernsehens gehören. Diese Chance verstehen sie zu nutzen. So wird deutlich der Unterschied zu den Profi-Kämpfern demonstriert. Beim Berliner Finale gab es kein einziges k.o., und das wird den sportlich eingestellten Zuschauer nur freuen. Die Amateure "gehen" ja nur über drei und nicht, wie die Profis, über zehn, zwölf oder fünfzehn Runden. Außerdem tragen sie schwerere, d. h. stärker gepolsterte Handschuhe, die besser schützen. Und schließlich sind die Ringrichter verantwortungsbewußter und brechen im allgemeinen einen Kampf rechtzeitig ab, wenn einer der Boxer nicht mehr voll verteidigungsfähig ist.

Bei den Kämpfen in Berlin traten einige junge Talente in den Vordergrund, so daß zu hoffen ist, daß die Stagnation bei den deutschen Amateurboxern überwunden werden kann, wenn auch sie sich die modernsten Trainingsmethoden aneignen. -er.