BREMEN (Kunstkalle): "Camaro"

Alexander Camaro ist Professor an der Berliner Hochschule. In den ersten Nachkriegsjahren haben ihn vor allem die Berliner Galerien häufig ausgestellt. 1951 erhielt er den Berliner Kunstpreis. Im gleichen Jahr, zu seinem 50. Geburtstag, veranstaltete Karl Ludwig Skutsch im Haus am Waldsee eine große Ausstellung, die von zwölf westdeutschen Städten übernommen wurde. In diesem Herbst, zum 60. Geburtstag, brachte der Kunstverein Wolfsburg eine Auswahl von über hundert Ölbildern und Pastellen, die jetzt in der Bremer Kunsthalle – bis zum 3. Dezember – zu sehen sind. Camaro hat bei Otto Mueller in Breslau Malerei und in Dresden, bei Mary Wigman Tanz studiert. In Camaros Biographie werden diese beiden berühmten Namen stets hervorgehoben. In seiner Malerei haben jedoch weder das Expressive noch das Tänzerische Spuren hinterlassen. Das früheste ausgestellte Werk (und seine bisher stärkste Leistung) ist das "Hölzerne Theater" von 1946, eine Serie von neunzehn Bildern: melancholischer Blick von der leeren Bühne ins leere Parkett... Diese Verbrauchtheit, dieses Angefülltsein mit Schatten (Camaro). Später werden die Formate größer, die Konturen unbestimmter, die Gegenstände ungreifbar. Die Leere breitet sich aus, wird oft zum eigentlichen Thema. "Vogelmond", "Nirwana", "Die Nacht", "Gedanken am Sonntag Vormittag". Der Maler geht den Weg der Abstraktion mit halbem Herzen. Einflüsse aus Paris werden aufgenommen, ohne rechte Begeisterung. Unsicherheit, Passivität, Enttäuschung sind normalerweise negative Kriterien. Bei Camaro gewinnen sie eine merkwürdige Faszination. Ein Künstler, der die Segel streicht, sich treiben läßt, steuerlos, in eine Flaute gerät und einfach wartet, nichts unternimmt, um daraus herauszukommen. In diesen Bildern manifestiert sich nicht nur das Verhalten eines Einzelnen, sondern eine oft übersehene Seite in der Malerei der fünfziger Jahre: das Provisorische.

DÜSSELDORF (Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen): "Dorazio"

Piero Dorazio, 1927 in Rom geboren, gehört zu den Erfolgreichsten unter den jüngeren italienischen Abstrakten. Seine Bilder waren in Rom, Paris und New York, auf der "zweiten documenta" in Kassel und auf der letzten Biennale in Venedig. Die Berliner Galerie Springer hat ihn zuerst in Deutschland vorgestellt. Düsseldorf zeigt jetzt über hundert Bilder, die Hälfte aus den letzten beiden Jahren. Dorazio hat nach mancherlei Experimenten eine spezielle Bildgattung erfunden, die ihm sein internationales Renommee verschafft hat – auf den ungeschulten Betrachter wirken die Bilder oft wie Tapetenmuster, Die einfarbige Grundfläche wird mit einem feinen hellen oder dunklen Liniennetz überzogen, aufgerastert, unterteilt. Das ergibt ein Filigran aus winzigen Zellen und Waben, Strukturgefüge von hohem Reiz.

– Die Ausstellung dauert bis zum 26. November.

HAMBURG (Dr. Ernst Hauswedell): "Buch- und Kunstauktionen"

Am 24. November werden Bücher aus fünf Jahrhunderten versteigert, in der Modernen Literatur zahlreiche Erstausgaben von Stefan George, eins große kunstwissenschaftliche Bibliothek, Marc Chagalls "Daphnis und Chloe" zum Schätzpreis von 18 000 Mark. Bei den Autographen ist das interessanteste, auf 30 000 Mark geschätzte Objekt das Originalmanuskript der "Duineser Elegien", das Rilke für Lou Andreas-Salome geschrieben hat. Am 25. November gibt es moderne Kunst mit dem üblichen großen Angebot an Graphik. Sensationell ist das Material an Indischer Plastik, das am 27. November versteigert wird. Die 85 Skulpturen sind der zweite und wertvollste Teil der Sammlung Stavenhagen. g. s.