Wie alljährlich eröffnet die Klöckner-Werke AG jetzt den Bilanzreigen der Montanindustrie. Auch diesmal ist das besondere Interesse, das den Geschäftszahlen des Duisburger Konzerns stets entgegengebracht wird, gerechtfertigt, weil die erste authentische Aussage über das Stahljahr 1960/61 doch immerhin gewisse Rückschlüsse auf die folgenden Montanabschlüsse gestattet.

Allerdings wird in diesem Jahre besonders davor zu warnen sein, die Klöckner-Zahlen ohne weiteres als Maßstab für die anderen Montankonzerne zu nehmen; denn die Klöckner-Gruppe kommt in diesem Geschäftsjahr vergleichsweise gut davon, weil sich bei dem frühen Bilanzstichtag (30. 6., im Gegensatz zum 30. 9., der für das Gros der westdeutschen Montanunternehmen das Geschäftsjahr 60/61 beschließt) die Abschwächungstendenzen am Stahlmarkt hier nicht mehr im Berichtsjahr auswirken. Das wird aber bei den später bilanzierenden Gesellschaften der Fall sein, und der Hinweis auf die letzten Monate wird vermutlich noch oft zu hören sein, wenn die nächsten Stahlabschlüsse zur Debatte stehen. Die Klöckner-Verwaltung kann darauf verzichten; das Unternehmen hat ein Jahr hinter sich, das noch ganz im Zeichen der Stahl-Hausse stand, in der ersten Jahreshälfte sogar erst die eigentlichen Produktions- und Absatzrekorde gebracht hat, die für die benachbarten Hüttenwerke schon Vergangenheit geworden sind.

Die Beibehaltung der 12prozentigen Dividende bei Klöckner mag deshalb zunächst nicht gerade Jubel auslösen bei den Aktionären, die immerhin auch in der Vergangenheit – vom Vorjahr einmal abgesehen – nicht gerade verwöhnt worden sind. Aber es muß dabei auch berücksichtigt werden, daß Klöckner diesmal ein Kapital von 300 (250) Mill. DM mit Dividende zu bedienen hat und dafür 36 Mill. DM aufwenden muß, während der gleiche Dividendensatz im Geschäftsjahr 1959/60 nur 30 Mill. DM erfordert hat. Es ist allerdings auch nicht von der Hand zu weisen, daß gerade in der Stahlindustrie die Dividendenhöhe gern unter Berücksichtigung des gegenwärtigen konjunkturellen Klimas bemessen wird, und solche Überlegungen dürften diesmal bei dem Dividendenbeschluß der Klöckner-Werke auch eine Rolle gespielt haben. Es bleibt indessen festzuhalten, daß 12 vH eine gute Verzinsung darstellen, wenn auch der neuerliche Ausschüttungsstopp nach dem verheißungsvollen Sprung im Vorjahr um gleich 4 Punkte – der von den Anteilseignern mit Recht als Schlußpunkt einer langen Durststrecke aufgefaßt worden war – einen Schatten auf die Zufriedenheit wirft.

Mit dem Verlauf des Geschäftsjahres 1960/61 kann die Klöckner-Gruppe durchaus zufrieden sein, und die Verwaltung ist es auch. Die Zahlen des Vorjahres, das als das eindeutig beste in der Geschichte des Unternehmens bezeichnet worden war, sind fast ausnahmslos nochmals übertroffen worden. Das gilt sowohl für Absatz und Produktion als auch für die Zahlen der Ertragsrechnung. Selbstverständlich sind die Zuwachsraten kleiner geworden, aber es hat ohnehin kein Unternehmen an Rhein und Ruhr davon ausgehen können, daß das Expansionstempo, mit dem die deutsche Stahlindustrie in einen Boom sondergleichen gefahren war, hätte beibehalten werden können. Erstaunlich genug, daß die meisten Rekorde des Jahres 1959/60 im Berichtsjahr erneut registriert werden konnten.

Die Klöckner-Gruppe erreichte im Berichtsjahr einen Gesamtumsatz von 1,836 (1,694) Mrd. DM; das entspricht einer Steigerungsrate von 8,4 vH. Entsprechend der nach wie vor geteilten Entwicklung bei Kohle und Stahl hat die Eisenseite des Konzerns wiederum besser abgeschnitten und mit 1,399 (1,279) Mrd. DM einen Umsatzzuwachs von 9,4 vH erzielt. Aber auch den Zechen ist es im Berichtsjahr gelungen, ihren Absatz auf 284,9 (274,5) Mill. DM um 3,8 vH auszuweiten. Den gleichen positiven Trend zeigt auch die Produktionskurve des Konzerns, die – soweit die Eisenseite angesprochen ist – entscheidend von der Hütte Bremen mitbestimmt wird. Die Rohstahlerzeugung der Gruppe stieg weiter auf über 2,5 (2,3) Mill. t, davon wurden 600 000 t in Bremen erschmolzen. Gewichtig ist auch die Tatsache, daß das inzwischen flügge gewordene Konzernküken in der Walzstahlerzeugung der Gruppe mitzureden hat. Von der auf 1,9 (1,8) Mill. t angestiegenen Walzstahlproduktion entfallen jetzt mehr als 30 vH auf das in Bremen konzentrierte Flachstahlprogramm.

Als Ergänzung der stehenden Anlagen wird Klöckner jetzt in Bremen ein Walzwerk zur Herstellung von rostfreiem Blech errichten. Indessen verfolgte die Verwaltung "nicht ganz ohne Sorge den Aufbau der Flachstahlkapazitäten im westeuropäischen Raum". Die erst im letzten Jahr bekanntgewordenen Investitionsabsichten anderer Ruhrkonzerne beruhen – so heißt es im Geschäftsbericht – sicherlich auf einer Überschätzung des künftigen Flachstahlverbrauchs.

Dennoch ist das Unternehmen, das auf dieses Pferd immerhin schon 1953 gesetzt hatte, zuversichtlich. Mit dem zeitlichen Vorsprung und mit einer durch die Kundschaft gut beurteilten Qualität der Bremer Erzeugnisse habe man eine günstige Ausgangsposition für den sich verschärfenden Wettbewerb geschaffen. Der weitere Ausbau der norddeutschen Hütte wird also planmäßig durchgeführt. Die in Angriff genommene Vergrößerung des Hochofenwerks dient der Verbreiterung der Roheisenbasis. Mit Nachdruck wird auch die Rohstahlkapazität in Bremen vergrößert. Das bestehende SM-Stahlwerk wird erweitert – bereits jetzt ist dadurch die Rohstahlbasis des Konzerns auf 3 Mill. Jahrestonnen angestiegen –, und ein neues Blasstahlwerk steht ebenfalls auf dem wieder recht umfangreichen Investitionspiogramm der Klöckner-Gruppe.