Der Exweltmeister im Wahlkampf – "Mich interessiert nur Sport und sonst nichts"

Hamburg

Im Café L’Arronge, dem Hamburger Künstler-Treffpunkt gegenüber der Staatsoper, saß de – Exweltmeister im Schwergewichtsboxen, Max Schmeling, vor Kaffee und Kuchen. Mehr als das Gedeck und das Geflüster der Gäste: "Guck mal da sitzt der Maxe!" interessierten ihn jedoch die beiden Zeitungen, die neben dem Kuchenteller lagen: die Hamburger CDU-Wahlzeitung "Dei Michel" und das FDP-Blatt "Die Freie Stadt". Er hob sie mit den Fingerspitzen hoch und sagte: "Mich erschreckt das ein wenig. Die Zeiten, in denen man sich allzusehr für uns Sportler interessierte und jedes unserer Worte auf die Goldwaage legte, sind mir noch allzu gut im Gedächtnis. Wenn das jetzt schon wieder anfängt, dann macht mich das traurig – egal, welche Partei das ist."

"So was kann man doch sagen"

Esder Hamburger Wahlkampf, der Max Schmeling vergangene Zeiten ins Gedächtnis ruft. Am 12. November wählte die Hansestadt ihr neues Parlament. Die Popularität von Max Schmeling und das Thema Sport sind daran schuld, daß "Maxe" traurig ist.

Es begann mit einem Gespräch, an das sich Max Schmeling nur noch dunkel erinnert. "Das war kurz nachdem der HSV im Juni 1960 Deutscher Meister wurde. Ich sprach mit dem Sportreporter Jupp Wolf, den ich gut kenne, und sagte, jetzt müßte endlich eine Flutlichtanlage ins Stadion. Und eigentlich müßte es in Hamburg überhaupt eine große Sporthalle geben. So was kann man doch sagen? Da denke ich doch nicht an Politik." Zu dieser Zeit war jedoch die Flutlichtanlage und auch die Sporthalle bereits ein Streitobjekt zwischen Senat und Bürgerschaft.

Der Sportsenator und Bürgermeister Edgar Engelhard (FDP) meinte, das Geld für die Flutlichtanlage könne vernünftiger angelegt werden. Die Bürgerschaftsversammlung war jedoch davon überzeugt, daß ein Stadion ohne Flutlicht ein kommunales Unglück sei. Denn, so wurde argumentiert, da die Vereine ihre Punktspiele samstags und sonntags austragen, werden die Spiele in der Europa-Pokal-Runde auf einen Wochentagabend verlegt. Falls das Hamburger Stadion nicht bald eine Flutlichtanlage bekäme, sei der Hamburger Fußball-Verein gezwungen, seine Spiele auf dem Fußballplatz einer anderen Stadt auszutragen. Das aber könne man den sportbegeisterten Hamburgern nicht zumuten.