ULM (Städtische Bühne):

"Die Geisel" von Brendan Behan

Der Gemeinderat der Stadt Ulm hatte sich die zweite Aufführung in der originalen Wiedergabe gewünscht, damit er sich ein Bild über die Ursachen des Theaterskandals machen könne", den die deutsche Erstaufführung ausgelöst hatte, "Es gab am Ende nicht einen einzigen Bub-Ruf, sondern langanhaltenden Beifall." Das Schauspiel des irischen Dramatikers, das 1958 in London uraufgeführt wurde und ein Jahr am Broadway in New York gelaufen ist, war bei des Ulmer Deutschland-Premiere buchstäblich in Rauch aufgegangen, weil in der Schlußszene durch ein technisches Versehen hustenreizende Nebelschwaden von der Bühne ins Parkett gedrungen waren. Dieser Zufall hatte den im Parkett angestauten Unmut explodieren lassen, so daß man in der Süddeutschen Zeitung lesen konnte: "Ein aufgebrachter Ulmer Bürger ergriff einen namhaften Kritiker wütend am Revers und schnaubte ihm ins Gesicht: ‚Eine Kritik will ich sehen! Eine Kritik.. Honoré Daumier hätte seine Freude an diesem Anblick gehabt."

Bei seiner vorigen deutschen Premiere – "Der Mann von morgen früh" im Berliner Schillertheater – war Behan selber betrunken an der Rampe erschienen; man ließ den Vorhang vor ihm niedergehen, um einen größeren Skandal zu verhindern. Gleichwohl nannte Friedrich Luft in der Welt diesen "Berufs-Iren" auch nach der "Geisel" einen "Cherub mit der Säuferleber... Er hat Grabbe-Qualitäten". Annemarie und Heinrich Böll haben das Stück ins Deutsche übertragen. Die Ulmer Inszenierung von Peter Zadek zählt die FAZ "zum Besten, was man in Ulm, und nicht nur in Ulm, seit Jahren gesehen hat". Englandkundig bestätigt Luft, daß "diese kleine, erste deutsche Versuchsaufführung der in London kaum nachstand."

LÜBECK (Städtische Bühnen):

"Mord im Dom", Oper von Ildebrando Pizzetti

Nach Dramatisierungen seines Märtyrertodes für die Schauspielbühne (durch Eliot, Anouilh und Christopher Fry) ist der englische Nationalheilige Thomas Becker nun auch eine Opernfigur geworden. Der 81jährige Italiener Pizzetti hat das gekürzte Schauspiel von Eliot vertont. Nach dem Urteil von Heinz Joachim in der Welt blieb der Komponist "der traditionellen Opernschablone zu stark verhaftet, um dem Musiktheater für diesen Stoff eine überzeugende Form abgewinnen zu können". Die deutsche Erstaufführung hat die Bedenken gegen das Werk auch nach dem Eindruck der FAZ nicht zerstreuen können. Musikalische Leitung: Martin Mälzer, Inszenierung: Kurt Horres, Hauptpartie: Michael de Rachel.