Der Deutsche Fechter-Bund ist 50 Jahre alt,

Von Werner Beuys

Zu den Sportarten, die ihr Entstehen ursprünglich einer "Brauchkunst" verdanken, gehört neben dem Segeln, Schwimmen, Reiten, Bogenschießen auch das Fechten. Über viele Jahrhunderte hin mußte man es einfach können, um zu überleben. Aber mit der Einführung der Feuerwaffen verlor es seine einstige Bedeutung und war schließlich nur noch bei den Soldaten und Studenten in Übung. Die einen brauchten es nach wie vor für ihr Kriegshandwerk, die anderen für ihre Ehrenhändel. Friedrich Ludwig Jahn versuchte noch – sicherlich nicht ohne einen beabsichtigten Nutzen für die Wehrertüchtigung – das Fechten in die Reihe der Leibesübungen einzubeziehen, die er zur Ertüchtigung des Mannes für erforderlich hielt. "Das Fechten ist eine wesentliche Hauptübung und zur vollständigen Turnbildung ganz unentbehrlich. Dazu muß es nach deutscher Art auf Hieb und Stoß, und dabei links und rechts betrieben werden", schrieb der Turnvater in der "Deutschen Turnkunst". Aber polizeiliche Verordnungen machten den Fechtübungen in den Turnvereinen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts den Garaus. Es wurde von einer ,,staatsgefährdenden Betätigung" gesprochen.

"Kneipen" mußten sie auch

Das Fechten, von Militärfechtmeistern gelehrt, konnte trotzdem nicht unterdrückt werden; 1862 wurde in Hannover der erste deutsche Fechtklub gegründet, dem bald in Offenbach, Frankfurt und Mainz weitere Vereine folgten. Sie beschäftigten sich zuerst noch mit der Führung schwerer militärischer Waffen, benutzten dann aber studentische Waffen, den schweren Säbel und den Schläger. Mit ihnen wurde aber nie scharf, sondern nur mit Schutzkleidung und Ausrüstung gefochten. Es darf aber nicht verschwiegen werden, daß die Kneipordnungen zu jener Zeit mindestens ebenso ernst genommen wurden wie die Fechtordnungen. Die Statuten der Klubs aus der damaligen Zeit schrieben eindeutig vor, daß ein neues Mitglied erst nach dem Besuch von je drei Fecht- und Kneipabenden "Clubist" werden konnte. Man begeisterte sich zwar für die Fechtkunst, wie man sie verstand, aber mit Sport, wie wir ihn heute verstehen, hatte das genau soviel oder sowenig zu tun wie das Schlagen von Tennisbällen durch Damen in knöchellangen Kleidern und mit Fischbeinstäbchen im Halsbörtchen zu jener Zeit.

Außerhalb Deutschlands, vor allem in Italien, hatte sich schon in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ein moderner Fechtstil entwickelt, bei dem das Gewicht der Klingen gegenüber den bisher üblichen schweren Waffen verringert und damit die Schnelligkeit und Treffsicherheit erhöht wurden. Jakob Erckrath-de Bary hieß der Fechter aus Offenbach, der sich zehn Jahre lang bemühte, bis es ihm endlich gelang, zu Anfang dieses Jahrhunderts italienische Fechtlehrer nach Deutschland, vor allem in die Main- und Mittelrheingegend zu verpflichten. Die Gazzerra, Tagliabo, Sestini und Schiavoni, um nur einige der bekanntesten zu nennen, leisteten gute Arbeit. Es waren ihre Schüler, die 1906 in Athen die ersten olympischen Erfolge deutscher Fechter holten.

Die Entwicklung des Fechtens führte bald dazu, daß die immer zahlreicher werdenden Fechtklubs in einer Dachorganisation zusammengefaßt wurden. Im Dezember 1911 wurde in Frankfurt der Deutsche Fechter-Bund gegründet, der an diesem Wochenende in der Bonner Beethovenhalle sein 50jähriges Bestehen feierte.