Wenn wir Deutschen den Menschen anderer Länder und Zonen zeigen wollen, daß wir gar nicht so sind, dann sagen wir: Goethe. Es ist der Sammelname für alle unsere Ansprüche auf Weltgeltung zu Zeiten, wo wir nicht glauben dürfen, sie nicht auf weniger friedliche Weise erzwingen zu können. So haben wir denn jetzt die Goethe Institute. Sie existieren schon in vierzig Ländern; im nächsten Jahre sollen sie die stolze Zahl achtzig erreichen. Ihre Bestimmung ist: die anderen mit der deutschen Kultur vertraut zu machen.

Hauptsächlich geht es dabei zunächst um die deutsche Sprache, und soweit dürfte gegen die Patenschaft Goethes gewiß nichts einzuwenden sein. Aber nicht alle Unternehmungen scheinen ebenso frei von Bedenklichkeit. Ein erster Protest wurde da laut gegen eine Expedition, die von München mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes in Bonn unternommen worden war. Es handelte sich um nichts Geringeres als um die Fahrt einer oberbayerischen Pioniergruppe nach Indien. Ihre Mission wir es, den Bewohnern jenes uralt-heiligen Kulturbodens die – in ihrer angestammten ethnologischen Umgebung auch durchaus eindrucksvollen – volkstänzerischen Gebräuche Bayerns vorzuführen.

Das Programm hatte indessen einen Schönheitsfehler: Das war der Watschentanz. Selbiger erfreut sich ja auch großer Beliebtheit bei den Sommergästen oberbayerischer Ferienorte, wo er eine Glanznummer jener industriellen Veranstaltungen zur Verhärtung lukrativer Klischeevorstellungen bildet, die man gemeinhin als "Heimatabende" oder ähnlich bezeichnet. Aber mit diesem Watschentanz hat es seine besondere Bewandtnis: Er ist nämlich niemals ein wirklicher bayerischer Nationaltanz gewesen, sondern eine über-"urwüchsige" bäuerische Komikernummer, die das Volkstum, dem sie partout angehängt werden soll, eher karikiert als charakterisiert. Dies eben stellte denn auch der Vorsitzende von 120 oberländischen Trachtenvereinen (denselben, die auch jene pseudobayerischen Fremdenverkehrsheimatabende bekämpfen) mit Entrüstung fest, und er beklagte, daß die Inder nun ein ganz schiefes Bild vom Wesen des bayerischen Stammes bekommen werden, ein lächerliches Zerrbild nämlich.

So der Experte. Und was sagt Goethe dazu? Er muß es verantworten, denn der Mantel seines Ruhmes umhüllt, Echtes und Qualität verbürgend, auch dieses völkerverbindende Folklore-Spiel. A-th