München, im November

Vor acht Jahren kam er ins Parlament nach Bonn, als Hinterbänkler. Vor vier Jahren erhielt er den monströsen Titel: Vorsitzender der CSU-Landesgruppe in der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestags. Vor zwei Jahren stand fest: In der nächsten Legislaturperiode wird Hermann Höcherl Minister.

Damals fuhr ich über schlechte Straßen nach Brennberg in der Nähe von Regensburg und fragte: "Nun, Herr Höcherl, welcher Sessel ist denn wohl für Sie drin?" – wie man halt so fragt.

Brennberg in der Oberpfalz liegt nicht weit vom Niederbayerischen entfernt. Es ist eine arme Gegend, vielleicht die ärmste der Bundesrepublik. Noch vor wenigen Jahren war, was sich entlang der tschechischen Grenze zieht, ein ausgesprochenes Elendsgebiet.

"Na ja", sagte er, "der Schäffer will nicht mehr, und Sie wissen doch, ich bin gelernter Jurist. Aber der Seebohm wird wohl auch nicht wiederkommen, und da ließe sich schon einiges machen. Wenn man hier mehr Straßen baute, könnte man viel helfen."

Einige Monate zuvor hatte er kundgetan, daß seine Partei von Seebohm "in kürzester Frist eine gültige Konzeption der gesamten Verkehrspolitik verlangen wird, weil mit mangelhaften Unterlagen und fortgesetzt widersprechenden Behauptungen nicht länger gearbeitet werden kann".

Nun saß er, klein, untersetzt, etwas schwerfällig, im Arbeitszimmer seines Brennberger Häuschens zwischen überladenen Bücherregalen und einigen recht guten Bildern, wiegte den Kopf und gab in äußerst vorsichtigen Wendungen zu verstehen, es könnte ihn unter Umständen schon reizen, Bundesverkehrsminister zu werden. Draußen warf die Novembersonne einige letzte Strahlen auf die jämmerlichen Oberpfälzer Straßen.