Von JosefBös, Salzburg

Der Wiener Aktienmarkt hat die deutsche und in gewissem Sinne kontinentale Baisse dieses Jahres nicht mitgemacht. Im ganzen gesehen sind die Kurse sogar weiter gestiegen, der sonst umsatzmüde Sommer brachte eine ausgesprochen saisonvidrige’ lebhafte Geschäftstätigkeit, eine partielle Schwäche in jüngster Zeit kann nicht als Tendenzumschwung gewertet werden.

Von Ende 1959 bis Ende 1960 sind die Industrieaktien an der Wiener Börse im Durchschnitt um 38 vH gestiegen, von Ende 1960 bis Ende Juni 1961 um weitere 32 vH und bis September 1961 nochmals um 9 vH. Im Zeitraum von eindreiviertel Jahren ergibt dies ungefähr eine Verdoppelung des Kursniveaus. Wenn man diese starken Kursgewinne mit immer wieder auftauchendem Währungsmißtrauen begründet, so ist das eine unzureichende Motivierung. Man muß vielmehr zunächst berücksichtigen, daß an der Wiener Börse wenig Material im Umlauf ist, daß die festen Pakete bei fast allen Werten größer und noch besitzfester sind als anderswo. So mußte zunächst die ausländische, insbesondere deutsche aber auch schweizerische Nachfrage die Hausse verstärken; die in diesem Jahr erfolgten Abgaben von deutscher Seite haben aber nur bei einzelnen Werten, insbesondere bei Steyr-Daimler-Puch, den Kurs drücken oder längere Zeit tiefhalten können. Es ist weiter zu berücksichtigen, daß die Rendite klein ist, weil die Unternehmen aus Steuergründen den Gewinn niedrighalten. Die Jahresabschlüsse zeigen die ganze Zeit hindurch konjunkturmäßig hohe Erträge, die aber auf Grund einer großzügigen Bewertungsfreiheit die Selbstfinanzierung hoher Investitionen auf dem Weg über Abschreibungen zulassen. So wachsen die stillen Reserven immer mehr, und das begründet nicht nur die bisherige Haussestimmung, sondern spricht, auf lange Dauer gesehen, für eine feste Haltung der Aktienkurse.

Die Kursbewegung nach Branchen zu gliedern, ist problematisch, da manche Branche nur durch zwei, drei, gelegentlich auch nur einen Börsenwert repräsentiert wird. Eine Ausnahme bilden die Brauereien mit einer größeren Reihe von Börsenpapieren, dies verglichen mit anderen Werten, verhältnismäßig hoch stehen, aber bei gleichfalls guter Substanz und bedeutender Krisenfestigkeit immer gesucht waren, im einzelnen direkt als Liebhaberpapiere bezeichnet werden können.

Die Monatsumsätze lagen 1959 im Durchschnitt bei 32 Mill. Schilling und 1960 bei 48 Mill. der Januar 1961 brachte mit 83 Mill. den-Rekord, dann fielen die Umsätze auf 40 bis 60 Mill. im Monat zurück, um dann gerade in der sonst toten Saison, im Sommer, wieder auf 70 Mill. anzusteigen und im September wieder etwas nachzugeben.

Ebenso wie Branchenbilder zu anmaßend wären, müßten globale Urteile irreführen. Man kann aber die Industriewerte in zwei Gruppen gliedern. Die Spitzenwerte, wozu auch die drei Papiere des fließenden Handels (Perlmooser, Semperit und Steyr) gehören, hatten schon früher, spätestens 1960, einen der’Konjunktur und der allgemeinen Hausse angemessenen Kurs erreicht. Hier sind weitere Erhöhungen nicht mehr bedeutend gewesen. Gerade bei diesen Werten sind auch Abgaben aus deutschem Besitz erfolgt, und die Einführung solcher Werte an deutschen Börsen, die zunächst die Aufwärtsbewegung auch in Wien mitverursacht hat, mußte im Einklang mit der allgemeinen Haltung der deutschen Börsen zu einem

weiterwirkenden Kursdruck in Wien führen.