Das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in Polen hatte sich in letzter Zeit wieder einmal verschlechtert. Angriffe der polnischen Presse gegen Würdenträger waren an der Tagesordnung.

So ist es kaum verwunderlich, daß dem Allensteiner Bischof Lucjan Bernacki das Temperament durchging. In seiner Predigt in Geierswalde, Kreis Osterode, Ostpreußen, donnerte er: "Dieser Satan lockt wie ehemals im Paradies. Da es dort keine Menschen gab, nahm er die Gestalt einer Schlange an. Heute, da er Menschen hat, betreibt er seine Propaganda auf andere Weise: durch die Presse und das Fernsehen – eine teuflische Propaganda der Lüge, des Unglaubens, des Hasses zu Gott". Besonders verübelt wurde ihm der Schlußsatz seiner Predigt: "Wir wollen unsere Leiden für die unglücklichen Brüder opfern – jene Gottlosen und Atheisten, jene Gotteslästerer und Säufer."

Der Bischof, ohnehin bekannt für freimütige Äußerungen – er hatte Anfang des Jahres in einer Predigt die Parteikampagne gegen Papst Johannes XXIII. als Lüge bezeichnet –, bekam einige Unfreundlichkeiten zu hören. "Wie konnte es der Bischof wagen", schrieb eine Parteizeitung, "wertvolle atheistische Menschen in einem Atemzug mit Säufern zu erwähnen?" Z. K.