Wieder ist der Kongo in die Schlagzeilen der Weltpresse gerückt: Meuternde und betrunkene kongolesische Soldaten haben in der Provinz Kivu dreizehn italienische Flieger, die im Dienst der UN standen, bestialisch ermordet. Malaiischen Verbänden der Vereinten Nationen gelang es schließlich, die herumstreunenden und brandschatzenden Kongolesen zu umzingeln und ihnen die Fluchtwege abzuschneiden. Es halten sich die Gerüchte, daß Antoine Gizenga, der Vizepremier der Zentralregierung und Chef der Ostprovinz, von Leopoldville abgefallen sei. Was sich in Albertville, im Norden Katangas, in diesen Tagen abspielte, schildert der folgende Augenzeugenbericht:

G. Y., Albertville, im November

In Albertville, wo Truppen aus der Ostprovinz Gizengas einmarschiert waren, sah ich betrunkene, grölende Soldaten in den Straßen. Überall kam es zu Schlägereien, Plünderungen und Übergriffen.

Es begann am Dienstag. Plötzlich tauchten auf der Hauptstraße von Albertville zweihundert kongolesische Soldaten auf. Sie waren die Vorhut einer Kolonne von 1000 Mann, die bald darauf die Stadt besetzten, die bisher zu Tschombes Einflußbereich gehörte. Auf einmal hingen aus den Fenstern der Hotels, der Geschäfte und Wohnhäuser die Fahnen der Zentralregierung. Jeder hatte sie sich beschafft – vorsorglich.

Mitglieder der "Balubakat Jugend" – einer Organisation der einheimischen Partei – begleiteten die Soldaten auf ihrem Marsch durch Albertville. Auch sie schwenkten die blauen Fahnen mit dem goldenen Stern, dazu Bilder von Patrice Lumumba, dem ermordeten Premier. Auf ihren Köpfen trugen sie Mützen aus Fellen von Leoparden und Affen, deren Schwänze hin und her wippten. Den Schluß dieser seltsamen Parade bildeten 50 Balubas, die Pfeil und Bogen über ihren Köpfen schwangen. Sie waren auf den Wagen der Armee in die Stadt gekommen.

Die meisten Fahrzeuge hatten sich die Soldaten bei den Autohändlern in Bukavu, der Hauptstadt Kivus, "organisiert". Der Autodiebstahl gehört heute zur Alltagspraxis der Kongo-Armee. Sieben Stunden nachdem die Soldaten in Albertville einmarschiert waren, hatten sie schon zwanzig Wagen "erbeutet". Mit ihnen brausten sie nun durch die Straßen, hielten vor den Läden und plünderten mit vorgehaltener Pistole die Geschäfte aus.

Die jungen Balubas sahen nicht untätig zu, sondern machten eifrig mit. Sie holten diejenigen ihrer Landsleute aus den Häusern, die als Anhänger des verhaßten Tschombe stadtbekannt waren, sie bedrohten die Weißen, öffneten die Gefängnistore, entwaffneten die Polizisten und sperrten sie ein.