Meinungserfragung oder Meinungsmache um einen kranken Oberbürgermeister

Freiburg

Wer wacht in einem demokratischen Gemeinwesen darüber, daß der Mann an der Spitze das Richtige tut? Daß in der Bundesrepublik die dazu berufenen parlamentarischen Gremien manchmal versagen, das ist sogar Lesern von südbadischen Lokalzeitungen vertraut. Auch daß eine im Parlament etwa lahmgelegte oder unterlegene Minderheit "auf die Straße geht", um sich der lautstarken Akklamation des Volkes zu versichern, ist eine sattsam geübte Notwehr.

Zu Freiburg probierte man – inzwischen freilich will’s niemand gewesen sein – eine andere Methode aus. Schon vor Monaten sind behutsame Vorstöße im Stadtrat gescheitert, die unter Wahrung aller gebotenen Pietät auf die Ablösung des offenbar chronisch erkrankten Oberbürgermeisters Dr. Brandel (CDU) zielten. Dieser Tage nun sah sich die "oppositionelle Gruppe" im Stadtrat, die sich aus allen Parteien rekrutiert, unversehens einer Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie gegenübergestellt, in welcher einem "repräsentativen Querschnitt der Stadtbevölkerung" sinngemäß unter anderem folgende Fragen vorgelegt wurden:

"Halten Sie die Krankheit Ihres Oberbürgermeisters für leicht oder schwer?"

"Halten Sie im letzten Fall eine Neubesetzung des Postens für erforderlich?"

"Was halten Sie von einer Gruppe von fünf (namentlich genannten) Nachfolgekandidaten?"