Als Ende der letzten Woche die Aktien der holländischen Philips’ Gloeilampenfabrieken unrund 100 Punkte fielen, fand dieses Ereignis zwar bei den betroffenen Aktionären ein schmerzliches Echo, aber die Wirkungen auf den gesamten Markt blieben begrenzt. Die wesentliche Ursache war die Enttäuschung über den geringen Umsatzanstieg in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Die Philips Konzernverwaltung hoffte, in diesem Jahr die 5-Milliarden-Gulden-Grenze mit neuen Umsatzerfolgen zu durchbrechen. Dieses Ziel kann also nicht erreicht werden.

Für den deutschen Aktienmarkt sind die Zwischenergebnisse dieses großen Elektrokonzerns von weittragenderer Bedeutung, als die bisherige Reaktion der Börse vermuten läßt. Abgesehen davon, daß ein beachtlicher Teil der Philipsumsätze in der Bundesrepublik erzielt werden, sind die Umstände, die zum Stillstand der zuvor stürmischen Expansion des Unternehmens führten, auch bei uns wirksam. Die Aufwertung des Guldens zwang Philips sichtlich zu Preiszugeständnissen auf den Exportmärkten, und nur erhöhte Anstrengungen, zum Beispiel die Einstellung von 20 000 neuen Arbeitskräften, ermöglichten es, den Umsatz zu halten. Ein starkes Absinken der Reinerträge ist die natürliche Folge. Betrachtet man den Philips-Zwischenbericht von diesem Gesichtspunkt aus und bedenkt, daß Arbeitszeitverkürzungen und Lohnerhöhungen sowohl in Holland als auch bei uns das Jahr 1961 bestimmten, dann liegt die Frage nahe, ob nicht von vielen deutschen exportabhängigen Unternehmen ähnliche Berichte gegeben werden müßten, wenn auch bei uns Quartalsberichte mit Gewinnziffern bereits üblich wären.

Bei Überlegungen zum Kursrückgang der Philips muß berücksichtigt werden, daß die Schwächeneigung gerade in den Tagen eintrat, als die gesamte Börse eine Reaktion auf die Kurserhöhungen der letzten Wochen durchmachte. Ein Vergleich mit dem nur geringfügigen Rückgang der Unilever-Aktie zeigt aber, daß in diesem Jahr der Aufwertung die Unternehmen mit großem Inlandsabsatz und starken Importen offensichtlich günstiger beurteilt werden.

Bei uns treffen diese Merkmale auf die Kaufhausgesellschaften zu, die nach schneller Kurserholung im Oktober in den letzten Wochen etwas in den Hintergrund traten, obgleich in den letzten Jahren der Eindruck des Weihnachtsgeschäftes Karstadt und Kaufhof besonderen Auftrieb verliehen hatte.

Immerhin scheint die Börse – ob bewußt oder unbewußt ist nicht klar zu erkennen – nachWerten zu suchen, bei denen man vor "bösen Überraschungen" wie bei Philips sicherer ist. Der Kursanstieg zahlreicher Bauwerke bei denen das Inlandgeschäft einen entscheidenden Anteil hat, läßt dies zumindest vermuten. An der Hamburger Börse kamen sogar die sonst wenig beachteten Aktien der Lenz-Bau in lebhafte Bewegung. Folgerichtig wendete die Börse ihre Aufmerksamkeit auch den Hypothekenbankaktien zu, die bisher hinter der Aufwärtsentwicklung der Geschäftsbankaktien zurückgeblieben waren.

Die uneinheitliche Entwicklung an der Börse wurde nach dem Abflauen der Aufwärtsbewegung noch dadurch verstärkt, daß auch am Montanmarkt ein Unternehmensbericht, und zwar der Bericht der Klöckner-Werke über das Geschäftsjahr 1960/61. einige Enttäuschung bei den zuvor noch sehr zuversichtlichen Käufern der Montanwerte auslöste. Zu dieser Reaktion muß allerdings bemerkt werden, daß der Umsatzrückgang in den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 1961/62 keine Überraschung hätte sein dürfen, nachdem bereits seit Wochen die Gesamtstatistiken Produktionsrückgänge melden. Für den Anleger ergibt sich hieraus die Frage, ob er nicht gut daran tut, die negative Auswirkung solcher Berichte für einen Kauf auszunutzen, sofern er dem Unternehmen zutraut, daß es die ungünstigen konjunkturellen Einflüsse mit Erfolg überwinden kann.

Die überaus stürmische Nachfrage nach der neuen 6 %igen Anleihe der Industriekreditbank zeigt, daß der richtige Typ für die heutige Situation am Rentenmarkt nicht vorhanden ist. Die voraussichtlich demnächst nachfolgende Anleihe der deutschen Bundespost, die ebenfalls mit einem Zinssatz von 6 vH ausgestattet sein soll, wird aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem Ausweg am Markt erscheinen, und zwar wird von einem Emissionskurs von 100 vH gesprochen. Der deutsche Anleger ist an und für sich an Emissionskurse unter 100 vH gewöhnt. Es wäre heute tatsächlich zu überlegen, ob nicht der bisher nicht übliche 5 3/4 %ige Anleihetyp einen Ausweg bietet. Mit ihm könnte auch die erwünschte und bei der heutigen Marktsituation möglich erscheinende Zinssenkung herbeigeführt werden. M.