Mit Bilderbüchern ist es ein eigen Ding. Sie werden gemacht – und gekauft – um Kindern Freude zu bereiten. An Bilderbüchern können die ganz Kleinen, die Dreijährigen schon, das Bilderlesen lernen, und den etwas Älteren kann man mit Bildern den Weg durch den Dschungel der Buchstaben leichter machen.

Aber außer solchen "pädagogisch wichtigen" Aufgaben haben diese buntesten Vögel der Druckkunst ein eigenes Gewicht, ein federleichtes zumeist, wenn man sie vom literarischen Gehalt her wiegen wollte, aber noch grad genug, um sie nach ihrer künstlerischen Bedeutung zu taxieren.

Kaum eine andere Gattung Buch kann so wie Bilderbücher Bild und Wort, Farbe und Linie zu einer einheitlichen Komposition zusammenfügen. Keinem anderen Buch sieht man freilich auch so auf den ersten Blick an, ob es ein Könner gemacht, ein Liebhaber oder jemand, der, wie weiland der Dr. Hoffmann, Kindern in Wort und Bild einfach etwas zu erzählen hat. Wobei der Dr. Hoffmann das schöne Beispiel dafür ist, wie einer, der ungelernt daherzeichriet und daherreimt, manchmal mit einem Struwwelpeter den Könnern und Künstlern den Rang abläuft.

Wenn man die neuen Bilderbücher dieses Jahres zusammen nimmt, muß man eines zugeben: es gibt eine Menge diesmal, und für jeden Geschmack, für jeden Anspruch ist gesorgt, auch für jedes Alter.

Für die Allerkleinsten brachte Heinrich Ellermann (der als Bilderbuchverleger einer der Könner und Künstler ist und dessen Bände in jedem Jahr zu den "Schönsten Büchern des Jahres" gehören) diesmal zwei Leporellos, solide aus festem Karton, so daß man die langen Bildbänder wirklich aufstellen kann –

Lieselotte Schwarz: "Einen Löffel für den goldenen Hahn"; Verlag Heinrich Ellermann, Hamburg/München; 10 S. Text, 10 farbige Abb., 6,50 DM.

Die junge Hamburger Malerin hat Erfahrung in dieser Spezies Bilderbuch. Es ist der dritte oder vierte Leporello-Band, den sie für Ellermann gestaltete, und diesmal ist er besonders gut gelungen: die Dinge des kindlichen Alltags, der Kater, das Schaukelpferd, die Lokomotive, die Ente, sind so einfach dargestellt, mit großzügigen Umrissen und in leuchtenden Farben, daß man versucht ist, auszuprobieren, welches Alter das wohl schon faßt.