H. P. Beirut, im November

Am 23. September dieses Jahres erklärte General, Kassem in einer Pressekonferenz, es sei seiner Armee gelungen, den Aufstand der Kurden, der, wie er sich ausdrückte, "Reaktionäre, Feudalisten und Separatisten" niederzuschlagen. Damals hatte er die Masse seiner Bodentruppen eingesetzt, seine Luftwaffe mußte unzählige Einsätze fliegen, um der Revolte Herr zu werden. Heute scheint es so, daß zwar die Revolte unterdrückt wurde, aber das Feuer nicht endgültig erstickt worden ist,

Mullah Mustafa al Barzani, der Führer der rebellierenden Kurden, verbirgt sich vor den Häschern Kassems. Man glaubt im Irak, daß er, der Ehrenmarschall der Roten Armee, zurück in die Sowjetunion geflüchtet ist. Von dort kam er 1958 mit 300 Gefolgsleuten und ungezählten Verwandten. Kassem, der Sieger der Revolution, hatte damals großmütig all denen, die in den Jahren des Haschemiten-Regimes hatten fliehen müssen, die Rückkehr in die Heimat gestattet.

Barzani, der schon im sowjetischen Exil begonnen hatte, eine "Kurdische Nationalbewegung" ins Leben zu rufen, erhielt als erster die Erlaubnis, eine Partei zu gründen: die "Kurdische Demokratische Partei". Kassem brauchte in jenen ersten Tagen und Monaten seiner Herrschaft den Führer der Kurdischen Minorität als Gegengewicht gegen die panarabische Bewegung Nassers. Kassem versprach den Kurden viel; er war bereit, ihnen die gleichen politischen Rechte zu gewähren, wie die Araber sie hatten. Diese Zusagen aber blieben bloße Versprechungen. Drei Jahre nach der Revolution waren die kurdischen Stämme immer noch eine rechtlose Minorität, genau wie zu Zeiten Nuri es Saids.

Zwischen Kassem und Barzani entstanden allmählich Spannungen. Der General, der im Laufe der Jahre sein Regime hatte festigen können, fühlte sich nicht mehr bedroht durch Nasser, sondern war vielmehr alarmiert über die Tätigkeit der Kommunisten in seinem Lande. Diese aber sahen in dem sowjetischen Ehrenmarschall Barzani ihren natürlichen Verbündeten. Die Kommunisten in den kurdischen Landesteilen erhielten die Weisung, sich seiner Partei anzuschließen, und der gesamte Ostblock betrachtete die Tätigkeit des Kurden in den Bergen Iraks mit Wohlwollen.

Der Plan für ein unabhängiges Kurdestan, das große Teile der Türkei, Persiens und des Iraks umfassen würde, wird seit jeher von Moskau als eine Möglichkeit aufgefaßt, den sowjetischen Einflußbereich bis an den Suezkanal im Südosten und bis an den Persischen Golf im Südwesten auszudehnen.

Der Revolte Barzanis gegen Bagdad war kein Erfolg beschieden. Chruschtschow hat sich nicht entschließen können, seinen Ehrenmarschall direkt und mit allen Mitteln, die für einen Erfolg nötig wären, zu unterstützen. Kassem seinerseits honorierte diese Haltung, als er im September auf der Pressekonferenz sagte: "Es steht nicht fest, daß Verbindungen zwischen der Sowjetunion und den Meuterern bestanden haben."