Funk

SDR STUTTGART

15. November, das Hörspiel:

Arthur Adamov, neben Beckett und Ionesco einer der meistgenannten literarischen Avantgardisten Frankreichs, zeigt sich diesmal von seiner liebenswürdigen Seite. Natürlich geht’s ihm auch hier wieder um die Verlorenheit des einzelnen in einer entfremdeten, kalten Massengesellschaft. Aber die Moral von der Geschicht’ gedeiht im gutmütigen Spott so untendenziös, daß einem der immerhin vorhandene Zeigestock so recht erst nach Abrollen des ganzen Spaßes zum Bewußtsein kommt.

"Die Universalagentur" ist ein behördenähnlicher Apparat, der die tollsten Stellenvermittlungen verspricht, die salbungsvollsten Werbesprüche pflegt, aber die zahllosen Kunden wie Untertanen behandelt und sie genußvoll in ihren Nöten zappeln läßt. Es handelt sich dabei zweifellos um eine Art Kafkaschen "Schlosses". Um sein Ziel anzustreben, braucht man Verbindungen, Intrigen, viel Phantasie und Eifer – und vor allem unendlich viel Zeit. Der Vermittlungsbedürftige strampelt sich zwar entsetzlich ab, wird aber immer schön im Kreis weitergereicht.

Da Adamov weiß, wieviel es geschlagen hat, verlacht er jedoch keine staatliche Einrichtung – obwohl dies sehr naheliegt –, sondern spießt diesmal die freie Wirtschaft auf. Alles strömt zur "Universalagentur", weil andere Firmen im Schutz einseitiger Überkonjunktur noch ungünstigeren "Kundendienst" betreiben.

Regisseur Oswald Döpke erlauert jede Chance zum skurrilen Spiel. Und die Sprecher charakterisieren gutgelaunt und gekonnt die bangenden Tröpfe und mächtigen Feldwebel. H. K.