H. W., Flensburg

Die dänische Minderheit im Landesteil Schleswig ist in den letzten Tagen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Sie hatte den dänischen Altkommunisten Axel Larsenden Vorsitzenden der Sozialistischen Volkspartei Dänemarks, zu einem Vortrag nach Flensburg eingeladen.

Nun ist Axel Larsen zwar kein allzu getreuer Gefolgsmann Moskaus mehr, in seinem Heimatland gilt er als Tito Dänemarks, aber immerhin: er ist nach wie vor Kommunist. Axel Larsen hat denn auch keine Gelegenheit vorbeigehen lassen, um im dänischen Reichstag gegen die Bundesrepublik zu Felde zu ziehen und ihr revanchistische und militaristische Gelüste vorzuwerfen. Daß Dänemark und die Bundesrepublik in der NATO zusammenarbeiten, ist ihm ein Greuel. Kurzum: Larsen ist ohne Zweifel derjenige dänische Parteiführer, der den schärfsten Kurs gegen Westdeutschland steuert. Auch in Dänemark hat er manche Gegner. Man hat ihm nicht vergessen, daß er das sowjetische Vorgehen in Ungarn vor fünf Jahren mit einer Verbissenheit verteidigte, als habe er selber den Befehl zum Eingreifen gegeben ...

Um so mehr Verwunderung erregte es sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Dänemark, daß der Dänische Vortragsklub in Flensburg, eine der kulturellen Minderheitenorganisationen, ausgerechnet Axel Larsen zu einem Vortrag über die politische Lage einlud. Und das angesichts der Situation in Berlin und des kommunistischen Druckes auf Finnland.

Zunächst empörte sich die deutsche Minderheit in Nordschleswig über diese Einladung und sprach von einer "offenen Provokation". Der CDU-Landesverband in Schleswig-Holstein erklärte, kein Verständnis dafür aufbringen zu können. Die dänische Minderheit komme dadurch in Gefahr, in eine peinliche Nachbarschaft zum Kommunismus zu geraten. Die deutsche Bevölkerung sei aufrichtig um die Festigung und weitere Normalisierung der Beziehungen zur dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein bemüht; die offizielle Einladung an Axel Larsen löse jedoch starkes Befremden aus. Auch die schleswig-holsteinischen Sozialdemokraten meinten, eine solche Einladung erschwere die Zusammenarbeit im Grenzland erheblich.

Die konservative Presse im Heimatland der Volkssozialisten, die ihrer Minderheit jenseits der Grenze sonst sehr viel Wohlwollen entgegenbringt vertrat die Ansicht, daß die Einladung in der Bundesrepublik nicht zu Unrecht als Provokation aufgefaßt worden sei. Und wenn Axel Larsen sich als Thema für seinen Vortrag die dänische Außenpolitik nach dem Kriege genommen habe, dann könne man nur sagen, für Dänemark spreche er nicht.

Dermaßen durch Proteste von allen Seiten in die Enge getrieben, sah sich der Vorsitzende der politischen Organisation der dänischen Minderheit im Landesteil Schleswig (des Südschleswigschen Wählerverbandes), Karl-Otto Meyer,gezwungen, sich von der Einladung an Axel Larsen zu distanzieren. Antidemokratische Kräfte, so erklärte er, würden in der südschleswigschen Wählervereinigung stets aufs schärfste bekämpft.