"Die unvergessene Nacht" (Polen; Verleih: Nora): Der polnische Regisseur Jan Rybkowski hat sich und seiner Produktionsgruppe diesen Film über den Untergang Dresdens etwas kosten lassen. Die ersten Fallen, die einem solchen Unternehmen drohten, hat er erfolgreich umgangen, doch nur, um desto sicherer in die nächsten hineinzufallen. Mit teilweise beachtlichem inszenatorischen Geschick stilisiert er den Krieg zum dantesken Inferno. Wie in der Kraterlandschaft einer Verfilmung von Jules Vernes "Reise zum Mittelpunkt der Erde" zischen Rauchwolken im Hintergrund empor, und ein melancholischer Clown im Flitterkostüm kommt, ein unschuldiges Kind im Arm, in den Ruinen um. Darüber entschwindet die Frage nach dem Wer und Warum aus dem Gesichtsfeld des Betrachters. Ein Vorspruch in Frakturlettern, wie man sie seit der letzten Ausgabe des "Völkischen Beobachters" nicht mehr gesehen hat, versichert überflüssigerweise vorneweg, niemand solle hier angeklagt werden, wenn "die Diktatoren" auch heute wieder bereit seien, ähnliches Unheil anzurichten. pat

"Zwei unter Millionen" (Deutschland; Verleih: Ufa-Film-Hansa): Seit Jahren hat kein westdeutscher Film mehr verstanden, so dem gleichmacherischen Zuschnitt der Leinwand-Konfektion zu entgehen. Der junge Dramatiker Gerd Oelschlegel erfand eine vom Geist Falladas erfüllte Geschichte. Ein Ostberliner Lkw-Fahrer, abends Aushilfskellner in Westberlin, und eine Stenotypistin aus der Zone suchen in Westberlin gemeinsam Glück und Wohlstand. Der Besitz einer Eckkneipe winkt, doch ein neureicher Besitzer zahlreicher Hähnchenbratereien sticht den Jüngeren mit seinen mühsam ersparten Viertausend um ein Vielfaches aus. Zurück bleibt ein desillusioniertes Paar. Mit dem jungen Regisseur Wieland Liebske (er drehte den Film nach der Erkrankung von Victor Vikas, der die Arbeit begann, zuende) ist dem deutschen Film ungeahnt ein neues Talent erwachsen. Sinnfällig durchdringen auch in Darstellung und Photographie einander die Welt des Gefühls und die Welt der Forderungen des Alltags. rpk.

"El Perdido" (USA; Verleih: Universal): Das letzte (im Originaltitel "The Last Sunset" benannte) Abendrot trifft ziemlich genau den aufdringlich süßen Überguß dieses Wildwestfilms. Wer sich vorm Primelstrauß an der Männerleiche nicht fürchtet und wer sich vor der alles ertränkenden Musik von Ernest Gold zu retten vermochte, der wird allerdings belohnt. Regisseur Robert ’Aldrich machte einen anspruchsvollen und teils sogar überdurchschnittlichen Wildwestfilm. Während eines großen Kuhtrecks von Mexiko nach Texas wird ein Dreieckskonflikt ausgetragen. Die attraktive Farmerswitwe (Dorothy Malone) wird von zwei Todfeinden begleitet. Die Gegner lernen sich hassen und achten. Zum Schluß aber werden Sheriff (Rock Hudson) und Mörder (Kirk Douglas) in feierlichem Ritual die Pistolen aufeinander richten, denn ohne Opfer endet in diesem Filmgenre keine Verfolgung. kub