Bilderbücher haben zwei Leben: Vor der Schule liegt das Gewicht auf der ersten Worthälfte, den Abc-Schützen hilft der sparsame großgedruckte Textteil – den man früher vorgelesen oder erzählt bekam – über die ersten Leseschwierigkeiten hinweg.

Darum beginnen wir unsere Kinderbuchschau mit einem Buch im bekannten Querformat –

Marianne Scheel: "Schornebogs Wald"; Atlantis Verlag, Freiburg; 28 S., 9,80 DM.

Zwei Brüder – Ulli, ein Zornbock, und Pit, ein Träumer – dringen auf der Suche nach ihren entflogenen Vögeln Rotherz und Blauchen in die Geheimnisse des Waldes mit seinem mächtigen, weisen Beherrscher Schornebog und dem gespenstischen Waldwurz ein. Sie befreunden sich dort mit Bär, Igel, Hirsch und Wiesel und kommen bezaubert und glücklich mit einem jungen Rehkitz als Beute nach Hause. Die Malerin Marianne Scheel kehrt mit reiferen und ausgewogeneren Bildern zum Stil ihrer ersten Atlantis-Bilderbücher zurück, deren Verschwinden vom Büchermarkt wir immer bedauert haben.

Kinder in diesem Alter lieben trotz allem nichts mehr als Vorlesen. In

Herbert Voges: "Wozzelchen und Pumphia", Zubettgehgeschichten mit Bildern von Julius Himpel; Obpacher Verlag, München; 48 S., 9,80 DM

finden wir das ideale Vorlesebuch des Jahres. Es geht um Mäuse, ihre mühsame Nahrungssuche mit den schreckenvollen Katzenbegegnungen, um eine Mäusehochzeit; und "was sonst noch passierte, das erzähle ich euch morgen!". Die angetuschten Strichzeichnungen Professor Himpels sind das Beste, was wir bislang für Kinder aus seiner Feder gesehen haben.