In diesen Wochen gehen traurige Bilder durch die englische Presse, Bilder von Opfern der großen Hungersnot in Ostafrika. Da war ein riesiges Photo von einem kleinen zweieinhalbjährigen Mädchen: ein Gerippe mit ein bißchen faltiger schwarzer Haut überspannt. Elf Pfund, ein zweieinhalbjähriges Kind! Auch die Alten sind nur Skelette, die sich mühsam auf den Füßen halten. Am schwersten ist der noble Stamm der Massai getroffen. Man schätzt, daß die Massai (die keine Landwirtschaft treiben, sondern nur von Viehzucht leben) von ihren 500 000 Rindern 400 000 eingebüßt haben.

Seit Wochen läßt die Regierung durch Flugzeuge Maismehl und Milchpuder abwerfen, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Dezimierung der Herden bedeutet, daß die Massai wahrscheinlich für ein bis zwei Jahre mit Lebensmitteln versorgt werden müssen. In Tanganyika werden zur Zeit 300 000 Menschen von der Regierung ernährt.

Wenn man sich dies vor Augen hält und daran denkt, daß von den rund drei Milliarden Menschen, die heute auf der Welt leben, etwa eine Milliarde hungert und fast eine halbe Milliarde an akuter Unterernährung leidet, dann ist eigentlich nicht zu verstehen, warum die Regierung der USA einerseits ihren Bauern Geld dafür zahlt, daß sie weniger anbauen, als sie könnten und möchten, und daß sie andrerseits Milliarden für Hilfe an die unterentwickelten Länder ausgibt, die dann mit diesem Geld amerikanisches Getreide zu künstlich überhöhten Preisen kaufen. D.